30.5.06

Diktat der Runden Tische

Eine kurze Geschichte des Runden Tischs der Neuzeit, ca. 850 Jahre nach der Ersterfindung durch den anglonormanischen Dicher Wace in Form von Artus und die Tafelrunde: Der Runde Tisch wurde zuerst in Polen für den Übergang zwischen Kommunismus und Demokratie gedeckt, dann zur Wende in der DDR 1989 bis zur Volkskammerwahl 1990. Dann hatte man Demokratien und entsprechend wurde der Runde Tisch gegen ein ordentliches Verfahren getausch. 

Wir halten fest: Runde Tische braucht es in Diktaturen, weil alles andere – z.B. demokratische Strukturen – führen zur Revolution.

Hierzulande erleben wir gerade wieder eine gewaltige Konjunktur für Runde Tische: Seit im ORF der Wolf los ist, fordert die Generalin mit dem Jagdscheineinen Runden Tisch um alle Probleme auf eben diesen zu legen. Seit die Landesfürsten die Öl-Strom-Ehe durch ihr Gepöbel vor dem Altar verhinderten will die SPÖ (ausgerechnet! und wir dachten die haben ein Wirtschaftsprogramm, das am Festhalten staatliches Mehrheiten in Energiegesellschaften verlangt?) einen Runden Tisch.

Andere R.T.-verdächtige Themen seit Jahresbeginn: Jugendschutz, Bawag-Rettung, Gewalt an Schulen, mehr Musik an Schulen, "Hebung des jährlich sinkenden Anteils regionaler Musikproduktionen am ORF-Rundfunkprogramm", zweites Frauenhaus im Burgenland. 

Was aus dem Verfassungskonvent (gab's da nicht auch Runde Tische?) an Reformvorschlägen bisher noch geheim gehalten wurde: "Artikel 1: Österreich ist eine Tafelrunde. Alle Runden Tische dienen der Festigung der bestehenden Verhältnisse. Jeder darf mitmachen, damit alles so bleibt wie es ist."