15.6.06

Bürgerkrieg im grünen Bereich

Herr Bush besuchte also den Irak um sich selbst ein Bild zu machen. Wozu hat man auch seinen privaten Jumbo? Und wie war es? "Es war unglaublich – ein unglaubliches Gefühl", da trifft man den Herrn Parlamentspräsident, der "noch vor einem Jahr nicht einmal am Telefon mit mir gesprochen hätte", und überhaupt gibt es einen "spürbaren Unterschied", wahrscheinlich gegenüber dem letzen Besuch mit Thanksgiving Turkey. Also alles im grünen Bereich in der grünen Zone.

Um den "spürbaren Unterschied" weiter zu verfolgen braucht er sich jetzt künftig nur noch bei den Bloggern aus dem Irak einloggen, etwa bei "Healing Iraq" von Zeyad, einem Zahnarzt aus Bagdad, der "in den beiden vergangenen Jahren aus zwei bewaffneten Zusammenstößen und einem Auto-Hijacking gerade noch davon gekrochen" ist und der "Zeuge wurde, wie zwei Menschen in den Kopf geschossen wurden und ein Kid, der von Kugeln übersäht war, mich und meine Freunde anbettelte dass wir ihn ins Spital bringen".

Oder wer das für Einzelschicksale hält kann bei "A Family in Iraq" nachlesen, von Faiza Al-Arji, Mutter dreier Söhne, die mit ihrer Familiie ein Tagebuch führt, an dem nur der Vater nicht interessiert ist, und die sich fragt, was ein Bürgerkrieg ist, wenn es nicht ein Bürgerkrieg ist, dem im Irak in den vergangenen Jahren mehr als zehntausend Menschen zum Opfer gefallen sind.

Und noch dutzende andere Blogs aus dem Irak, die die Lücken füllen, die Besuche in grünen Zonen hinterlassen. Für den leichteren Konsum in Weißen Häusern sammelt auch die New York Times diese Einträge, kostet leider was, ist aber steuerlich absetzbar (und 14 Tage lang kann man auch umsonst reinschauen). Vielleicht ein bissl Background für unseren Herrn Bundeskanzler, wenn er nächste Woche Herrn Bush in Wiens grüner Zone trifft.