13.6.06

Der Zilksche Moment

Jetzt ist der Altbürgermeister Helmut Zilk zwar ein alter Schwadronierer und Lebenskünstler und in der SPÖ war er nie so besonders verankert. Aber gerade darum ist das, was er über Partei und Gewerkschaft mitten im Bawag-Hurrikan wenig schmeichelhaftes sagt, so bezeichnend: Gusi, von dem hört man nichts (bis auf: "Wir tragen nur dort Verantwortung wo wir Einfluss haben", und was hat die SPÖ schon je mit ihrer roten Bank und der Gewerkschaft zu tun gehabt?). Die kleinen Leute müssen sich in Leserbriefen (soll wohl heißen: in der Krone) aufregen und ausweinen statt bei ihrer Partei auf einem Sonderparteitag. Und die da in Bawag und ÖGB in ihrer Gier nicht genug bekommen konnte waren eigentlich immer schon Ungustln, die keiner gebremst hat.

Damit sind wir zugleich bei Ausgangslage und  Ausgang der bevorstehenden Wahl auch schon wieder am Ende. Womit die ÖVP dieses Glück verdient hat weiß man nicht (Mariazell?), aber sie hat seit Monaten keinen brauchbaren Anlass geliefert schlecht über sie zu reden (glaubt doch keiner, dass wir in der Wahl eurofighten werden) und strahlt ganz in Latino-EU-Bush-Gipfeleien.

Zu den Aussichten der SPÖ hat Zilk alles gesagt, was noch zu sagen ist, auch wenn darüber noch viele Leitartikel vergossen werden. Hazeh, Westi & Co zerfleischen sich lustvoll mit Detektivspielen und unappetitlichen Rassismen, die aber irgendwie nicht mehr so wirklich ziehen. HPM wartet auf die passende Gelegenheit uns mit seiner Kandidatur von Dichands Gnaden zu beglücken. Und die Grünen – naja, ehrenvoll bemüht, aber das wird wohl im Handgemenge vor der Wahl kaum honoriert werden. Kurz und schmerzlos wird also die ÖVP gleich nach dem Sommer ihre Bawag-Dividende kassieren und sich dann mangels Alternativen den Gusi als Juniorpartner herrichten.