5.6.06

Nach Dolly die Schöne Neue Welt

Natürlich war klar, dass Ian Wilmut sein Schaf nicht wegen einer unbezähmbaren Obsessions mit Dollys Titten geklont hat, und zehn Jahre nachdem er sein erstes Schaf zur Weltberühmtheit geklont hat, kurz danach noch bei Polly eine kleinen gentechnischen Verbesserung implementierte, damit sie Milch für therapeutische Zwecke gibt, enthüllt er, wo die Reise hingehen soll: Gesunde Kinder. Vielleicht auch verbesserte Kinder, aber das ist (vorerst) doch ein bissl problematisch.

In seinem Buch "After Dolly: The Uses and Misuses of Human Cloning" schlägt uns Ian Wilmut dieses Szenario vor: Von Embryos, die durch einen genetischen Effekt wie Cystische Fibrose oder Huntington belastet sind, macht man einen Klon, repariert die entsprechende Zelle, und trägt den reparaturgeklonten Embryo (quasi ein Zwilling) zu einem gesunden Kind aus, das Original tut man weg. Der Klon eines Embryos zu sein, sagt Wilmut, ist nämlich viel leichter zu ertragen als der Klon eines erwachsenen Menschen, drum sei die Methode auch ok. Und außerdem würde sich dadurch auch der menschliche Genpool verbessern, weil die Kinder des Klons nicht mehr den ursprünglichen Defekt weitertragen würden.

Wilmut ist natürlich nicht so naiv zu erwarten, dass diese Vorstellung einer Schönen Neuen Welt keine Kontroverse auslösen würde; darum beschränkt er sich aufs Reparieren und findet genetisches Finetuning des Nachwuchses ganz pfui. Als Pragmatiker kann er an dieser Verwendung für eine Stammzellenmodifikation nichts finden, ganz so wie der gute alte Watson, der die DNA entdeckte und befand: "Stammzellentherapie ist nichts weiter als was richtig zu stellen, was durch Zufall furchtbar falsch geraten ist."

Wär nur noch sicherzustellen, dass die so reparierten Kinder nicht als Jugendliche auf Irak-Einsatz oder wo immer sonst noch die Schöne Neue Welt zu verteidigen ist zu irreparablen Schaden kommen; oder womöglich wegen ihrer Entstehungsgeschichte eine kleine Drogensucht aufziehen. Klons, die diese Hürden umschiffen, haben jedenfalls gute Chancen als erste durch die Ziellinie zu gehen – so wie am Pfingstsonntag Idaho Gem und Idaho Star, die beiden geklonten Rennpferde, die ihre normal gezüchteten Konkurrenten beim Wettrennen in Nevada mühlos auf Distanz hielten.