12.7.06

Kybernetisches Hochwasser bei der ÖBB

Das macht eben den wahren Managementguru aus: Er denkt stumm über eine Interviewfrage sechs Tage lang nach, ehe ihn die verbale Diarroe unhaltbar ereilt. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Professor Doktor Malik ist das Interview nach der kleinen Panne mit seiner ÖBB-Personenverkehrschefin Goldmann in der ZiB2 vor sechs Tagen offenbar so richtig an die Nieren gegangen.

"Ich danke Herrn Dr. Armin Wolf herzlich für seine wichtige Frage zum Vorgehen des Aufsichtsrats der Personenverkehrs AG in der Sache Goldmann", eröffnet Doktor Malik die erste seiner gleich drei "kybernetischen Nachrichtenaktionen", schlanke 8000 Zeichen oder so kurz. Die Frage war: "Managt man so, wie ich das mache?" Und die Antwort, die in der "gebotenen Kürze einer Nachrichtenserie nicht effektiv beantwortet werden" konnte, enthielt diese für das televisionäre Medium offenbar wie Perle vor Schweinen vergeudete Blüten: "Vorfälle wie jüngst in der ÖBB ... entstehen durch Eigendynamiken, die wir auch aus der Natur kennen, z.B. Hochwasser."

Oder in aller journalistisch gebotenen Kürze: Den Managern in der ÖBB steht das Wasser offenbar bis zum Hals. Aber das haben wir schon vorher geahnt, auch wenn man sich nicht wie der "Management-Fachmann und -Kybernetiker" Fredmund Malik "seit 30 Jahren dem richtigen Umgang mit der Komplexität widmet".

Da hat man dann noch diese Allegorie auf Lager, die vielleicht auch noch für die Entkrampfung in der ÖBB-Spitze wegweisend sein könnte. "Eine Frau beklagt sich bei ihrem Mann, dass er ihr nie Blumen schenkt. Schenkt er ihr nun Blumen, könnte sie sagem: 'Nur weil ich mich beklagt habe!' Schenkt er keine, könnte sie sagen: 'Obwohl ich mich beklagt habe, schenkst du mir keine Blumen.'" -- Was macht der arme Mann? Er schenkt ihr ein Parfum. Da wird sich aber Frau Goldmann jetzt bald freuen können.