2.7.06

Singing the Bundesbahn-Blues

Wie man kurz vor der Wahl noch schnell die letzte Rote in der umgefärbten Bahn los wird um so nebenbei noch ein Platzerl für – einen Orangen, einen Schwarzen, einen blassblauen? – frei zu kriegen: Man lässt ein Anwaltsbüro zusammen sammeln, dass die Vorständin des ÖBB-Personenverkehrs ihre "Stellung missbraucht hat" und der ÖBB Schaden verursachte. Wie? Mit Kuverts, ein paar Telefonaten und Mails im Büro, und ein bissl Sekretariatsarbeit für den gemeinnützigen Verein "Opernwerkstatt", wo die Vorständin Wilhelmine Goldmann als Chellistin Vorsitzende ist.

Gesamtschaden des "Missbrauchs"? Zwei- bis dreitausend Euro laut Anwaltskanzlei. Wir können davon ausgehen, dass die Anwaltskosten ein mehrfaches sind, so wie die Kosten der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung (6000 Euro), bei der am Dienstag eine Fristlose für die Vorständin ausgesprochen werden soll.

Dabei hat dem ÖBB-Chef Martin Huber das imageträchtige Engagement seiner Kollegin so gefallen, dass er vor der jetzigen Aufregung ihren Verein sogar direkt fördern wollte. Das wollte sie nicht, weil sie das als Interessenskonflikt sah. Also machte er ein Gentleman's Agreement um sie loszuwerden, freiwillig gehen und den "Missbrauchs-Vorwurf" für sich behalten. Hielt aber nicht, oder wie er das SMSte: Mit Frauen kann man kein Gentleman's Agreement machen. Also wird entlassen.

Haben wir eigentlich schon einmal erfahren, wie viele Kuverts, Telefonate, E-Mails- und Sekretariatsarbeit des Finanzministers (ÖBB-Eigentümervertreter) für die Erstellung seiner Homepage durch den New-Economy-Verein seines Kabinettschefs draufgingen? Die Rechnung würden wir noch gern einmal sehen.