4.7.06

U-Blog HEUTE



04/07/06

Halb zehn. Zwei Minuten zum nächsten Zug. Gehe zum Ende des Bahnsteig. Schönes Wetter. Die U-Bahn fährt ein. Nehme im letzten Wagon Platz. Kaum Leute im Zug. Hitzing. Eine Muslima steigt ein. Sie trägt Kopftuch und ein T-Shirt auf dem in Glitzersteinen Rose geschrieben steht. Lese Profil. Christian Rainer war in Nord-Korea. Er schreibt von vielen hübschen Mädchen. Der Kunsthallen-Direktor war auch mit von der Partie. Ein selten schlechte Geschichte. Karlsplatz. Beim Ausfahren aus der Station glaube ich Anton am Bahnsteig zu sehen. Anton macht in Film. Besser gesagt er würde das sehr gerne tun. Früher war er Chefredakteur - bei der Zeitung des Todes namens Requiem. Ein Machwerk des Bazar-Verlags. Dessen Chef glaubte an das große Geschäft und wollte das Blatt mit Todesanzeigen finanzieren. Im redaktionellen Teil: die besten Friedhöfe, Tipps und Tricks bei Todesfällen plus Berühmtheiten und ihre letzten Ruhestätten. Anton musste als Chefredakteur und als einziger Mitarbeiter die Friedhöfe in Wien abklappern. Bei Angehörigen der Verstorbenen sollte er, zum Teil noch am offenem Grab, Anzeigen keilen. So weit der Plan. Anton schaffte keinen einzigen Auftrag. Er wurde verjagt, die Friedhofsverwaltung drohte mit der Polizei. Sein Chef wollte das Konzept nicht aufgeben. Anton musste handeln. Er verfasste Nachrufe in Eigenregie und erfand Todesfälle, die dann im Requiem abgedruckt wurden. Anregungen holte er sich von Patezettel, die bei Kirchen aushingen. Das ging nicht lange gut. Nach der ersten Ausgabe gab es einen Relaunch. „Das Blatt sei zu dunkel,” meinte sein Chef. Ausgabe drei sollte es nicht mehr geben. Schwedenplatz.