16.8.06

Dünnes Blech

Man kann es ihm schon ordentlich übel nehmen, dem Günther Grass. Jahrzehntelang die Moral des Antinazismus trommeln und darüber schweigen, dass nicht nur sein Pferd, sondern er selbst bei der Waffen-SS war. Das Schweigen über die Sünden: Der Vorwurf der Nachkriegsgeneration an die Väter, über den sich Grass als "Flakhelfer" erhob, als ob es nicht schon früher Gelegenheiten gegeben hätte reinen Tisch zu machen. "Was ich übrigens schon seit längerem erzählen wollte: Auch ich war dabei", hätte sich gut gemacht bei der Verleihung der Danziger Ehrenbürgerschaft, oder dem Nobelpreis, oder bevor er Kohl für seinen Friedhofsbesuch in Bitburg abkanzelte, oder damals, als über das Vergessen von Kurt Waldheim geredet wurde. Aber da muss man schon Robert Menasse sein, um das Schweigen des Blechtrommlers bis zum heutigen Tag zu verteidigen. Nur die Gnade eines langen Lebens, dass er dies nicht ins Grab nahm. Lässt sich ja schließlich noch ein guter Bestseller draus machen.