4.9.06

Kein Funk, kein Ton

Stellen wir uns ein Land vor, vielleicht irgendwo mitten in Europa. Ein paar rüde Cops prügeln einem Schwarzafrikaner die Seele aus dem Leib. Sie fahren ihn mit dem Auto an, drohen ihn umzubringen und zerschlagen sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit. Die Jungs kommen vor Gericht, der Richter lässt Gnade vor Recht walten und verbrummt sie zu acht Monaten bedingte Haft. Menschenrechtsorganisationen sehen in diesem milden Urteil die Legimitation zur staatlich verordneten Folter. Die zuständige Innenministerin wird von einem bekannten TV-Journalisten zu dieser Causa befragt. „Nein, ich will das Urteil von einem unabhängigen Gericht nicht kommentieren,” sagt sie. „Ob das Urteil gerecht ist, kann ich nicht sagen. Man muss die Entscheidung respektieren.” „Natürlich darf so was nicht vorkommen und ich bin strikt dagegen, dass in der Polizei so etwas passiert.” „Aber, man sollte bedenken, der Mann war ein verurteilter Drogendealer.” „Heißt das, weil dieser Mann ein verurteilter Drogendealer sei, darf man ihn verprügeln?”, fragt der bekannte TV-Moderator. „Nein, das will ich nicht sagen, aber ich gebe nochmals zu bedenken, dass dieser Mann ein verurteilter Drogendealer ist, und sich gegen die Abschiebung gewehrt hat.” „Noch einmal, die Frage: legitimiert diese Tatsache die Aktion der Polizei?”, bohrt der bekannte TV-Moderator nach. „Nein, das darf nicht vorkommen. Aber der Mann hat als Vorbestrafter in unserem Land nichts zu suchen. Man muss jetzt prüfen ob er nicht noch abgeschoben wird.” Das unheimliche an diesem Land, mit Ausnahme einer kleinen Afrika-Seite im Internet , stört sich an dieser Innenministerin niemand. Kein Funk, kein Ton. Vorwahlzeit.