7.9.06

Wir sind Natascha!

Es wär jetzt also überstanden: Die junge Frau hat mit ihrer Kraft beeindruckt und das Interview genutzt, das medial zusammengebastelte Freak-Bild von ihr ganz ordentlich zurecht zu rücken. Für den Rest des Landes wär es jetzt Zeit dem Verließ seiner kollektiven Gruselfantasien zu entfliehen. Denn am liebsten suhlt sich der Ösi an sich ohnehin in der Opferrolle, wie Schranz, wie Waldheim, wie EU-Sanktionen, wie Opfer aller möglichen widrigen Umstände. Und alle Welt hat's jetzt gesehen, mehr noch als beim Neujahrskonzert!

Natürlich hat sich auch schnell eine Meinungsumfrage gefunden und die ist eine schwere Drohung: 85 Prozent wollen weiterhin "am Leben von Natascha teilnehmen". Unser aller Psychiater hat uns dafür den Zeitrahmen schon vorgegeben: Jetzt braucht sie auf jeden Fall Ruh, sagt Max Friedrich – nämlich so eine Woche bis zehn Tage. Was halt der Herr Friedrich selbst so an Entzug von der Kamera aushält. Und dann? Nationale Flashbacks, häppchenweises Recycling des Interviews, die DVD zu News? Schluss jetzt. Wir sind nicht Natascha, und Natascha ist im übrigen Frau Kampusch. Wenn jemand Anteil nehmen will, dann bitte an hunderten weiteren verschwundenen Kindern und Erwachsenen, deren Schicksal ungeklärt ist.

Und kann bitte jemand den unerträglichen Martin Wabl aus dem Verkehr ziehen: Der Mann ist bereits einmal wegen Verleumdung der Mutter von N.K. rechtskräftig verurteilt und zieht seit gestern wieder frisch durchs Land mit seinen unbelegten Beschuldigungen der MIttäterschaft.