4.9.06

Wunderverwertungsmaschinerie (6)

Endlich darf unsere Medienorgel so richtig in die Tasten greifen: Nachdem das Entführungsopfer N.K. noch in ihrer ersten Erklärung ihre Bitte "Lasst mir Zeit" an die Medien verlesen ließ, haben sie wohl ihr PR-Mann und ihr Medienanwalt davon überzeugt, dass nach achteinhalb Jahren im Verließ höchsten zehn Tage Zeit ist, bevor die Geschichte zum medialen Gammelfleisch wird. Also, hoppauf: Am Mittwoch volles Programm im ORF, das Interview, davor ein paar Ausschnitte in der ZiB, danach naturgemäß Wiederkauen am Runden Tisch, wir nehmen an die anschließenden TV- und Radio-Nachrichtensendungen werden auch noch gut davon leben. Die Kollegen in den Printredaktionen dürfen Nachtschicht einlegen, damit es am Donnerstag zum Nachlesen auf allen Titelseiten steht, irgend eine "EXKLUSIV!"-Quenterl wird sich doch zwischen den Bildschnitten finden lassen, dass die Konkurrenz net hat. Und dann natürlich die internationalen Übertragungsrechte, quasi Opfer-WM. Dürfen wir jetzt noch erfahren, welchen Anteil sich PR-Berater und Anwalt abschneiden werden?