3.10.06

Grüner Palawatsch

Also, wenn sich dann die freudige Erregung bei den Grünen über das beste Wahlergebnis ihrer 20-jährigen Nationalratsgeschichte wieder ein bissl gelegt hat und der 10-Prozent-Rausch ausgeschlafen ist wird der Kater einsetzen. Weil die Grünen haben jetzt einen echten Palawatsch beinand: Mehr Abgeordnete als je zuvor, aber eigentlich sind sie zu nichts gut.

Jetzt meinen wir nicht nicht die durchwegs netten Personen, sondern die Stimmenzahl: Zehn Prozent, aber wohin damit? Mit den Schwarzen geht's nimmer, mit den Roten ging's sowieso noch nie, und in einem Parlament mit fünf Parteien gibt's das Zünglein an der Waage so gut wie nicht mehr.

Das ist natürlich bitter, weil eine Partei, die's schon so lang gibt und mit einer solche respektablen Größe muss irgendwann zeigen, dass sie mehr drauf hat als nur immer Nein zu sagen, was die naturgegebene Rolle der Opposition ist, das Haar in der Suppe zu finden. Sie muss zeigen, dass sie auch im Regieren was umsetzen kann, sonst wird's für das P.T. Wahlpublikum öd und sie laufen wo anders hin.

Jetzt wird der Reflex der Grünen sein, sich links von der SPÖ anzusiedeln, und das ist genau verkehrt rum: Denn linke Mehrheiten gabs in diesem Land nur zwischen 1970 und 1983 unter der großbürgerlicher Obhut mit Bruno Kreisky. Ansonst ist die Mehrheit immer rechts von der Mitte gewesen, auch nach dieser Wahl.

Um Stimmen bis zum nächsten Mal zuzulegen, um irgendwann wieder der Mehrheitsbringer für beide Großparteien sein zu können, bräuchten jetzt die Grünen eine Kreiskysche Verbürgerlichung: Dann könnten auch "die ein Stück des Weges" mitgehen, die keine rotrote Koalition, sondern eben so ein bissl bürgerliche Öko-Kontrolle haben wollen; und wenn es dann doch schwarz-grün werden soll, dann wär wohl noch genug linkes Denken in den Genen, um auch eine schwarzschwarze Republik zu verhindern. Halten's das so lang durch, Herr Van der Bellen?