3.10.06

Schüssels Opposition (2)

Es fängt so an, wie es (aus schwarzer Sicht) anfangen muss: "Wer mit uns zusammenarbeiten will sollte uns ernst nehmen", richtete Schüssel gleich nach dem Parteivorstand am Montag abend der SPÖ aus. Soll heißen: Koalition nur zu unseren Bedingungen. So spricht ein Mann, der Optionen hat, im Gegensatz zu einem Wahlsieger, der keine Option außer dieser hat. Schwarz-Blau-Orange: Alles nur eine Frage der richtigen Deutung des Ergebnisses, oder?

Also werden jetzt fleißig Knackpunkte gesammelt, an denen rot-schwarze Verhandlungen scheitern könnten, nur um dann – bewährtes Replay von 2000 – Gusenbauers fehlende Mehrheit vorzuführen und im stillen Kämmerlein an der blau-orangen Versöhnung und Neuauflage der alten Koalition zu basteln. Eurofighter? Da kann man jetzt nicht mehr zurück. Studiengebühren? Gesamtschule? Weitere Privatisierungen? Reichensteuer? Nicht mit Schüssel.

Blöde Sache, das für die SPÖ: EIne Wahl gewonnen, die Verhandlungen verloren? Da wär's einfacher gewesen, die Schwarzen hätten die Nase vorn gehabt und die Roten somit einen Grund, ein paar Federn zu lassen. Oder tauschen wir jetzt ein eigenständiges Frauen- und Kulturministerium gegen all die harten Punkte, Herr Gusenbauer? Ach, und noch was: "Ich will ein Volkskanzler sein wie Bruno Kreisky": Wer mit solchen Sprüchen in Verhandlungen mit dem Schüssel geht kommt am Ende leicht wieder in der Sandkiste an.