12.11.06

Gefühlte Mehrheit

Das wird gefühlsmäßig nix mehr mit dieser Großen Koalition. Nicht nur die Gefühle aller Beteiligten sprechen dagegen, sondern auch das Fühlen der Österreicher. Sie fühlen nämlich deutliche Unterschiede zwischen dem strikten Verhältniswahlrecht der Verfassung und dem strikten Mehrheitswahlrecht ihres Gerechtigkeitsempfindens: Während das Verhältniswahlrecht sagt, dass jener Kanzler ist, der eine Mehrheit für sein Programm findet (daher die Wende 2000), sagt das gefühlte Mehrheitswahlrecht, dass jener Kanzler ist, der bei der Wahl Erster geworden ist (daher die Aufregung über die Wende 2000).
Bei der aktuellen Regierungsbildung prallen diese beiden Meinungen wieder mit voller Wucht aufeinander: Alfred Gusenbauer (Volkskanzler!) denkt wie die Bevölkerung, dass er kraft Gefühlsverfassung mit seinen zwei Mandaterln Überhang den unbestreitbaren Anspruch auf die Kanzlerschaft und die bedingungslose Unterordnung der ÖVP hat. Wolfgang Schüssel (schmallippig!) denkt wie immer gegen die Mehrheit der Bevölkerung und der Kronenzeitung, dass dem nicht so ist, sondern dass sich die SPÖ um seine Gunst bemühen muss.
Kurzer Rede langer Sinn: Das wird nix mehr mit dieser Großen Koalition. Rein gefühlsmäßig.