22.12.06

Regenbogendenken

Rundum wird zu Weihnachten von Abgeordneten noch gedacht, das ist erfreulich, weil wir dafür ja ordentlich zahlen, ohne dass damit jetzt über die Erfreulichkeit der Denkprozesse als solches etwas gesagt sein soll. Da ist der Herr Umvolker Mölzer, der sich gegen seine damalige blaue Parteilinie quasi ins EU-Parlament geputsch hat, obwohl er jetzt sicherlich in Anspruch nehmen kann zusammen mit dem Herrn Dobermann Stadler das rechte Herz der jetzigen blauen Parteilinie zu sein. Jedenfalls, der Mölzer denkt: Wenn die Schwarzen und die Orangen eine Minderheitenregierung bilden, dann könnten die Blauen dem doch wohlwollend zuschauen. Welche weihnachtliche Harmonie des Denkens, das hat sich der Herr Schüssel sicher auch schon des öfteren gedacht. Und wir wissen ja seit 2000, dass Schüssel so manches denkt, was er den Roten noch nicht einschenkt.

Auf der anderen Seite ist da der Herr Voggenhuber, im letzten Jahrzehnt ein bekehrter EU-Paulus geworden. Der denkt sich und sagt das auch noch, dass der Holler der Frau Vassilakou das ist, nämlich ein Holler: Dass die Grünen doch keine SP-Minderheitenregierung unterstützen müssten, denn da müssten sie sich mit den Blauen an einen Tisch setzen. Etwa so wie im ORF-Stiftungsrat, und überhaupt: Sie müssten ja nur an ihren Bänken im Nationalrat sitzen bleiben, Tische sind da gar nicht nötig, weil ja bekanntlich Abstimmungen nicht an Tischen sondern im Plenum stattfinden. Jedenfalls, man sieht wohin uns die EU-Mitgliedschaft schon gebracht hat: Gedacht wird auch von den heimischen Politikern nur noch in Brüssel, zumindest sprudelts aus denen neuerdings nur so heraus.