30.5.06

Im Garten der Republik

Wunderbar: Wolfgang Schüssel und Freunde machen ein Gartenbuch, Gigi und Wolferl haben Kräutertipps, Andy und Heidi Khol Rosentipps, Willi Molterer & Vater empfehlen den frischen Vitamin-Kick, unser Lebensminister und die Außenministerin wissen alles über Wasseroasen; so wächst und gedeihen die schwarzen Pflanzerl, bis am Wahltag wieder Zeit des Erntens ist. Und wie sieht es in Nachbars Garten aus, bei den Jungen Roten? Nein, keine Degustationsnotizen, nix, was uns auf allfällige junge Rote im Herbst vorbereitet, nur bierernste Vorwortschreiberei des in die Jahre gekommenen Ex-Juso: "Farbe bekennen! Alfred Gusenbauer für mehr Fairness". Aber immerhin: Wer ein Gartenfest macht, kann bei den jungen Roten "rent a politician" machen; vielleicht was für die nächste Gartenbuchpräsentation der alten Schwarzen?

Diktat der Runden Tische

Eine kurze Geschichte des Runden Tischs der Neuzeit, ca. 850 Jahre nach der Ersterfindung durch den anglonormanischen Dicher Wace in Form von Artus und die Tafelrunde: Der Runde Tisch wurde zuerst in Polen für den Übergang zwischen Kommunismus und Demokratie gedeckt, dann zur Wende in der DDR 1989 bis zur Volkskammerwahl 1990. Dann hatte man Demokratien und entsprechend wurde der Runde Tisch gegen ein ordentliches Verfahren getausch. 

Wir halten fest: Runde Tische braucht es in Diktaturen, weil alles andere – z.B. demokratische Strukturen – führen zur Revolution.

Hierzulande erleben wir gerade wieder eine gewaltige Konjunktur für Runde Tische: Seit im ORF der Wolf los ist, fordert die Generalin mit dem Jagdscheineinen Runden Tisch um alle Probleme auf eben diesen zu legen. Seit die Landesfürsten die Öl-Strom-Ehe durch ihr Gepöbel vor dem Altar verhinderten will die SPÖ (ausgerechnet! und wir dachten die haben ein Wirtschaftsprogramm, das am Festhalten staatliches Mehrheiten in Energiegesellschaften verlangt?) einen Runden Tisch.

Andere R.T.-verdächtige Themen seit Jahresbeginn: Jugendschutz, Bawag-Rettung, Gewalt an Schulen, mehr Musik an Schulen, "Hebung des jährlich sinkenden Anteils regionaler Musikproduktionen am ORF-Rundfunkprogramm", zweites Frauenhaus im Burgenland. 

Was aus dem Verfassungskonvent (gab's da nicht auch Runde Tische?) an Reformvorschlägen bisher noch geheim gehalten wurde: "Artikel 1: Österreich ist eine Tafelrunde. Alle Runden Tische dienen der Festigung der bestehenden Verhältnisse. Jeder darf mitmachen, damit alles so bleibt wie es ist."

28.5.06

He's Back

Das wär ja jetzt auch wieder nicht gleich notwendig gewesen, Terroralarm auszulösen weil Helmut & Dagi wieder umtriebig werden. Oder drohen neue Sendetermine für die Lebenskünstler? ... --- ... --- .-. ..-. !!!

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Rührend, dieses Zeichen der Hilflosigkeit: SOS ORF. "Wir fordern ein intelligentes Programm"... "Vielfalt und Ausgewogenheit der Berichterstattung" ... "einen unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat" – wo bitte geht's hier zur Unterschriftenliste? Selbst die Initiative gegen Hundekot ist da in ihren Forderungen konkreter, oder sagen wir: zielgerichteter.

Ein virtuelles Lichtermeer wird am Zustand des ORF nix ändern, weil: der Zustand beruht auf einem Gesetz, das von den Mehrheitsinhabern exekutiert wird, und was herauskommt, ist der Zustand. Also brauchert's zur Änderung nicht moralische Imperative ("intelligentes Programm" -- meinertreu: ob sich auch nur die Initiatoren darauf einigen könnten was ein intelligentes Programm ist? Der Bulle von Tölz? 24, fünftel Staffel? The L-Word? Täglicher Report unter Moderation von Armin Wolf?) einen Vorschlag, welche Struktur den "unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat" hervorbringt.

Wie wär's mit einer Volksaktie? Jeder Österreicher über 14 hat einen Anteilsschein, und in einer virtuellen Aufsichtsratsitzung werden die Aufsichtsräte bestellt, wollen wir mal dahingestellt lassen wie intelligent das Ergebnis dieses Verfahrens ist. Oder Wahllisten für den Stiftungsrat, über den gleich bei jeder Nationalratswahl mit abgestimmt wird. Oder einfach privatisieren. Wurscht: Wenn schon ORF-Initiative, dann muss sie in einer Forderung nach einer entsprechenden Änderung des ORF-Gesetzes münden, und der Weg dahin wär ein Volksbegehren. Alles andere sind eben Morse-Zeichen -- oder vielleicht hat SOS ja eine dieser anderen in der Wikipedia gelisteten Bezeichnungen:

Skydivers over Sixty
Same old Stuff

die Bezeichnung eines besonderes einfallsloses Geschenk im Sinne von
Schlips, Oberhemd und Socken
Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit.
Sex Ohne Sicherheit
Saufen ohne Sinn.

27.5.06

In Volkes Namen Zeichen setzen

Der Lateinamerikagipfel war doch inspirierend: Evo Morales hat seine Erdölquellen verstaatlicht, und Erwin Pröll jetzt seine Geldquellen. Nur damit es nicht untergeht in der von Pröll und Häupl aufgeführten großen heldischen Rettungsseifenoper des heimischen Wassers: Das Land Niederösterreich hat den Volksbanken ihren Anteil an der niederösterreichischen Hypo abgekauft, und jetzt ist sie wieder ganz und gar im Besitz des schwarzen Niederösterreich.

Wenns drauf ankommt, sind die Schwarzen eben doch die besseren Sozis – erstaunlich, wie die SPÖ über Nacht bereit war ihr Dogma von der staatlichen Mehrheit an Verbund und allen Energieversorgern über Nacht über Bord zu werfen, nur weil der Chef eines kleinen dahergelaufenen, übernahmewilligen Ölmulti einmal ihrem Reichsdrittel angehörte. Man sieht: Von der Volkspartei zur Volksrepublik ist immer nur ein kleiner Schritt, vorausgesetzt wir können alle Posten besetzen.

Denn das ist ja, wie Pröll schon im Vorfeld der Re-Verstaatlichung der Hypo einer kleinen, staunenden Journalistenrunde zum Besten gab, sooo praktisch: Das Land macht viele Geldgeschäfte, da hat man gern seine eigene Bank. So wars wohl auch im Burgenland mit den Pleiten der Bank Burgenland, oder bei der Hypo Alpe Adria mit deren Flops, und der Hypo Steiermark mit ein paar schief gelaufenen Leasinggeschäften in Kroatien in zweistelliger Millionenhöhe. Was solls, der Eigentümer wirds schon richten.

26.5.06

Zeichensetzen im Land des Lächelns

Best of Boese (© Der Falter) Is Back, der Verfassungsbogen leuchtet wieder hell: Westi darf wieder ran. Der Hut des Abgangs hängt wieder in der Garderobe, jetzt fehlt nur noch die Königskobra für die guten alten Zeiten, und Gorbi wird bald nicht mehr stören sondern Schifferl am Bodensee fahren.

Nur die Koalitionsmathematik schaut jetzt gar nicht gut aus: Wenn Westi bringt, was Haider und Kumpanen hoffen, rettet er den Orangen den Einzug ins Parlament. Dann können wir uns nach den Wahlen (Tipp: so rasch wie möglich nach einem kurzen Sommer) auf neue Biodiversität im Verfassungsgarterl des Herrn Khol freuen. Schüssel-Schwarz, Westi-Orange, Hazeh-Blau, HPM-Bronze, Gusi-Rot, Vander-Grün. Wo soviel Kräuter sprießen ist Schluss mit Monokulturen. Die Rückkehr des kleinen Gleichgewicht des Schreckens (© Armin Wolf) scheint gesichert, weil andere Schrecken gehen sich nimmer aus: Gusi darf doch noch Vizekanzler spielen statt VW-Händler in der Toskana zu werden, Wolferl rulez. Und im Land breitet sich wieder Frieden und Wohlstand aus.

25.5.06

www.zeichensetzen.at

Jetzt ist endlich die Zeit des Zeichensetzens gekommen, und das weckt sogar politburo.com aus dem Dornröschenschlaf, in den uns unsere selige Telenovela vom Kristallluderprinz versetzt hat. Der oberste Geisterfahrer-Versteher der Nation geht zeichensetzend voran und setzt ein Zeichen gegen Geisterfahrer: Prädikat Wertvoll für alle Lagen der Republik.