30.7.06

Hypo-Ortstafel-Verrücker

Neue Ortstafeltricks vom Kärntner Trickster: Der Hypo-Alpe-Adria-Chef Kulterer, gegen den die Finanzmarktaufsicht wegen seines Paar-Hundert-Millionen-Debakels ermittelt, wird vom Vorstandschefsessel in den Aufsichtsratschefsessel verrückt. Wenn dann die G'schicht mit der Ermittlung, für die's ja jetzt angeblich keine Basis mehr gibt, vorbei ist, dann kann das Sesselchenrücken wieder rückgängig gemacht werden. Vielleicht könnten wir Kärnten als ganzes irgendwohin rücken?

Heilige Martins, steht uns bei!

"Doch regt in dieser kargen Zeit ein frischer Wind sich bundesweit, und neue Kraft belebt die Glieder, denn H.-P. Martin rührt sich wieder, der Schrecken des Establishments." Der Wolf Martin hat sich schon eingedichtet, uns bleibt auch nichts ersparrt: Der Mann mit derr schnarrrenden Stimme wird uns die nächsten vierr Jahre mit seinen Verfolgungsthesen über das Böse im allgemeinen und der EU im speziellen auch im heimischen Parlament beglücken. Unserr Hans-Peterr Marrtin (UHPM) kandidiert und wird sich, wir danken's einem Traum des Herrn Dichand, ein kleines Zubrot zu seinem Abgeordnetensalär im EU-Parlament verdienen.

Der Kampf gegen die Privilegienwirtschaft braucht halt eine privilegierte Stellung. Oder wird UHPM sein Amt in Straßburg und Brüssel, soweit er anwesend ist und nicht andere Anwesenheitslisten unterschreiben lassen muss, gar zurücklegen? Gibt's dazu eigentlich Vorschriften, oder ist das alles nur eine Frage gekrönter Wählertäuschung?

Apropos UHPM: Was macht eigentlich Karin Resitarits? Wär doch eine gute Gelegenheit für eine rührende Versöhnung, anschließendes Mandat inkl. Und weil wir gerade bei Mandaten sind: Dank Listenwahlrecht reicht's ja nicht, wenn die Krone einen Narrrischenverdeckten Ermittler ins Parlament schreibt, da kommen ja noch gleich eine Handvoll dazu. Vielleicht sollte die Österreichische Glückspartei ÖGP ihr Glück probieren und sich mit UHMP poolen.

Darum ganz klar: "Dem, der entschlossen, nicht zu wählen, ist H.-P. Martin zu empfehlen. / Denn keiner zeigt, das steht wohl fest, / so klar wie dieser den Protest und ist dabei, was angenehm, nicht radikal und nicht extrem." Heilige Martins dieser Krone, steht uns bei!

26.7.06

Taxi Orange

puh, rettung in letzter minute, taxi orange watzinger hilft beim bzö aus, die notwendigen 4 prozent sind somit fix in der tasche.

24.7.06

aber hallo österreich

schluß mit lustig. jetzt wird tacheles gesprochen. nach zwei jahren nachdenk phase fällt den schlauen news jungs auf, upps der fellner macht einen tageszeitung, sapperlot der krallt sich eine menge personal, bastelt seine layouts mit woman fotos, will für seine postille auch werbekunden lukrieren und und und ……… das gibt jetzt fette klagen, manch einer träumt schon von einer neuen medienschlacht wie weiland profil gegen format.

20.7.06

U-Blog Heute

Punkt neun Uhr. Drei Minuten zum nächsten Zug. Heute verspricht zwei Wochen Sahara Hitze. Die U-Bahn ist ob dieser Schlagzeile erstaunlich kühl. „Mück TV” nennt Herr Rauscher seinen Kommentar im Standard. Dieses „Hau den Mück” dürfte sich über den Sommer quer durch alle Blätter ziehen. Dem Herr Mück ist das glaub ich ziemlich wurscht. Schönbrunn. Touristen mit Bauchgurt, kurzen Hosen, Schlappershirt und Klappen drängen in den Wagen. Die schauen weltweit gleich aus. Touri-Klons. Pilgramgasse. Herr Mück und seine Frau haben vor ein paar Jahre zwei Kinder aus Äthiopien adoptiert. Da hab ich mal ein Interview dazu gelesen. Herr Mück hat da ein paar sehr gescheite Sachen gesagt. Karlsplatz. Anton ruft an. Er geht gerade mit dem Hund spazieren, ob ich später denn nicht Lust auf Mittagessen habe. Stadtpark. Vertröste Anton auf nächste Woche. Schwedenplatz.

Filmtipp: Bagdad-Blogger Salam Pax hat für die BBC einen exzellenten Video-Bog gedreht. Prädikat: Sehenswert.

How to Stay Alive in Iraq

18.7.06

Neulich auf der Yacht (3)

Nationalratspräsident Andreas Khol kann uns in seiner wunderbaren Dreifalt von "Rechtswissenschaftler", Präisdent und selbst ernanntem Richter beruhigen: Unvereinbarkeit – immerhin ein Strafrechtstatbestand – wurde keine verletzt, wenn unser aller Karlheinz einen kleinen Abstecher zum Essen auf die Yacht vom Meinl macht und dort den Karibik-Pleitier Mister Flottl zum Small Talk trifft. Dabei weiß doch selbst unser Finanzminister, dass "eine Einladung zu einem Abendessen sie hellhörig machen sollte":

""Als soziales Phänomen kann Korruption vereinfacht als Missbrauch des öffentlich anvertrauten Amtes bzw. der Machtposition zu privatem Nutzen definiert werden. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund. Wer meint, Korruption tritt stets in großem Stil und plötzlich auf, der irrt. Beziehungen zwischen Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung und deren 'Kunden' führen oft zu Abhängigkeiten, aus denen es - je länger sie dauern - immer schwieriger wird, auszusteigen."

"Seien Sie Vorbild! Machen Sie durch Ihr Verhalten deutlich, dass Sie Korruption weder dulden noch unterstützen. Lehnen Sie Geschenke und Vorteile konsequent ab! Eine Einladung zu einem Abendessen ist beispielsweise eine Situation, die Sie hellhörig machen sollte. Es gibt noch viele andere Beispiele. Nehmen Sie an oder lehnen Sie ab?"

"Sollten Sie einmal vor einer solchen Situation stehen, stellen Sie sich folgende Fragen:
- Wird von mir möglicherweise einen Gegenleistung erwartet?
- Könnte es sich um eine nicht legale Gefälligkeit oder Bevorzugung handeln?
- Welche Konsequenzen könnte eine falsche Entscheidung für mich persönlich haben?
Sorgen Sie für Transparenz! Trennen Sie Dienstliches und Privates!
Ihr Karl-Heinz Grasser"


So viel Klarheit aus berufenem Mund! Wir danken Hans Weiss, dass er uns an diese Antikorruptions-Broschüre des Herrn Finanzminister aus dem Jahr 2003 erinnert.

aber hallo österreich

der chefredakteur eines befreundeten wochenmagazins erzählte mir folgende geschichte: sein nachbar am land hat neulich gerfragt: ”du kennst di eh aus in der woid, wer ist denn diesa fellna? „der bringt jetzt eine neue zeitung raus”. „ah so, i hob glaubt der gründ a neiche partei!”

17.7.06

Adriatische Abstecher

Meingott Karlheinz, es hätte doch schlagzeilenmäßig viel schlimmer kommen können: "Sleepover im Penthouse!" oder "Yachtfahren in der Karibik!" Aber das, ist doch alles leicht erklärbar: "Wenn man zu einem Abendessen in die obere Adria eingeladen wird, macht man einen kleinen Abstecher und denkt sich nicht viel dabei." Da trifft man dann, wie sonst nur in der Eden, den Meinl, ein interessanter Mensch, und lernt neue Leute kennen", wie den Mister Flottl, auch ein interessanter Mensch, und macht a bisserl Smalltalk, wie man so sitzen und reden, "was halt grad aktuell war in den Medien".

Der Mister Flottl, stellen wir uns vor, hat grad von der gestifteten Homepage gehört und vielleicht g'sagt, dass sich die Leut schon wegen 200.000 so aufregen, unglaublich, was tät'n die erst sagen, wenn einer zwei Milliarden versenkt, haha, aber des weisst eh, Karl-Heinz, weil in dem Nationalbankbericht von der Bawag ist des schon 2001 drinn g'standen, und den hast sicher a kriegt. Jaja, wird der Karlheinz g'sagt haben, zwei Milliarden, des wär schon was, da tät'n sich sogar Prüfer wundern ob da net was wo anders hing'flossen ist als nur in die Karibik, aber das könnama ja dann noch beim Aperitiv bereden.

badespaß

herr grasser schippert mit mit herrn flöttl durch die adria. meine frage: welche badehose hatte er an?

16.7.06

aber hallo österreich

geniale werbung. das muss man wolfgang fellner aber dicke gratulieren.

und: was bis dato noch niemand ahnt, sei hier und jetzt exklusiv für das werte politbüro vermeldet

uschi fellner ziert das nächste sujet

mit dem hammer slogan

ICH BIN EIN TRAUM


14.7.06

Nachspiel zum WM-freien Weekend





Mit bestem Dank an Spinchat

Liveblogging the war

13.7.06

Israel versus Libanon

Kommentar von Ahdaf Soueif

Only sanctions will stop this brutal campaign - Ahdaf Soueif

Kommentar von Amos Harel/Haaretz

Amos Harel/Haaretz

12.7.06

Kybernetisches Hochwasser bei der ÖBB

Das macht eben den wahren Managementguru aus: Er denkt stumm über eine Interviewfrage sechs Tage lang nach, ehe ihn die verbale Diarroe unhaltbar ereilt. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Professor Doktor Malik ist das Interview nach der kleinen Panne mit seiner ÖBB-Personenverkehrschefin Goldmann in der ZiB2 vor sechs Tagen offenbar so richtig an die Nieren gegangen.

"Ich danke Herrn Dr. Armin Wolf herzlich für seine wichtige Frage zum Vorgehen des Aufsichtsrats der Personenverkehrs AG in der Sache Goldmann", eröffnet Doktor Malik die erste seiner gleich drei "kybernetischen Nachrichtenaktionen", schlanke 8000 Zeichen oder so kurz. Die Frage war: "Managt man so, wie ich das mache?" Und die Antwort, die in der "gebotenen Kürze einer Nachrichtenserie nicht effektiv beantwortet werden" konnte, enthielt diese für das televisionäre Medium offenbar wie Perle vor Schweinen vergeudete Blüten: "Vorfälle wie jüngst in der ÖBB ... entstehen durch Eigendynamiken, die wir auch aus der Natur kennen, z.B. Hochwasser."

Oder in aller journalistisch gebotenen Kürze: Den Managern in der ÖBB steht das Wasser offenbar bis zum Hals. Aber das haben wir schon vorher geahnt, auch wenn man sich nicht wie der "Management-Fachmann und -Kybernetiker" Fredmund Malik "seit 30 Jahren dem richtigen Umgang mit der Komplexität widmet".

Da hat man dann noch diese Allegorie auf Lager, die vielleicht auch noch für die Entkrampfung in der ÖBB-Spitze wegweisend sein könnte. "Eine Frau beklagt sich bei ihrem Mann, dass er ihr nie Blumen schenkt. Schenkt er ihr nun Blumen, könnte sie sagem: 'Nur weil ich mich beklagt habe!' Schenkt er keine, könnte sie sagen: 'Obwohl ich mich beklagt habe, schenkst du mir keine Blumen.'" -- Was macht der arme Mann? Er schenkt ihr ein Parfum. Da wird sich aber Frau Goldmann jetzt bald freuen können.

Aber hallo, Österreich!

Österreich soll für eine von seinen 1.00000000 Nullnummern von Woman ein paar bilder geklaut haben - das gehört sich nicht.

Dem Oli Voigt (neuer news geschäftsführer) hat das sicher nicht geschmeckt, vieleicht mit ein Grund, dass Wolfgang Fellner aus dem news, tv-media, e-media etc. impressum raus geflogen ist, bis dato wurde er dort als Gründer tituliert...

Vorsicht, Herr Präsident, Rückendeckung!

Wir haben ja unsere Frage kaum gestellt, da stehen schon alle auffallend hinter dem Herrn AK-Präsident. Stand Mittag: "Kärntner AK-Chef Goach steht voll hinter dem Präsidenten", "AK Burgenland weist Rücktrittsaufforderung entschieden zurück" (die kam nicht von uns, die Aufforderung), "Für AKNÖ eine Sommerloch-Diskussion". So geschlossen waren die Reihen das letze Mal für den Herrn Rechberger, aber den Vergleich wollen wir dem Herrn Tumpel nicht antun.

Update: Im Ländle verdaut man, bevor man kommentiert, und da schaut Manndeckung dann so aus: "Vorarlberger AK-Chef will Gerüchte nicht kommentieren" und nur "Vieles von dem, was Tumpel als AK-Präsident bisher gemacht hat", habe gepasst...

Unser unermüdlicher Grillfleischtester

Ist schon wieder eine Weile her, als das Land seine ZwangsPflichtmitgliedschaften in den diversen Kammern hitzig diskutierte und sich dafür entschied, dass Zukunft darin besteht alles beim alten zu lassen. Nun, was macht inzwischen die Arbeiterkammer mit unseren Umlagen, im vergangenen Jahr in Wien beispielsweise mit durchschnittlich 96,84 Euro vermutlich höher als die Handy-Roaming-Gebühren des durchschnittlichen Mitglieds, vor denen die AK nimmer müde wird zu warnen?

In den letzten Tagen warnte uns die AK eindringlich vor "Geschenkte Reisen nicht umsonst", "AK warnt vor schwarzem Fernsehbildschirm", "Notfallspass für Vergessliche, Expresspass für Eilige", "Wieder saftige Strafe für Hervis wegen irreführender Werbung!", "AK-Grillfleischtest bringt unappetitliche Ergebnisse" (ein Sommerklassiker), "Zwei von drei Sportgetränken nicht empfehlenswert", "Sechsjährige im Visier der Banken" und "Ungetrübter Urlaubsspaß am Flughafen Wien" -- ist doch schon mindestens die Hälfte des Mitgliedsbeitrags wert.

An den obersten Grillfleischtester, Ö-und-Wien-Chef der von uns erhaltenen Institution, Herrn Tumpel, hätten wir im Zuge der jüngsten Infos über die von ihm seinerzeit beaufsichtigte Bawag noch eine kleine Frage. Ehefrau Tumpel-Gugerell war doch damals in der Oesterreichischen Nationalbank, und deren Prüfer haben schon 2001 vom Flucht der Karibik gewusst, nur hörte keiner hin. Reden Sie eigentlich daheim darüber, was der Arbeitstag so gebracht hat? Oder ist das mehr wie im Geheimdienst, Liebling frag mich nicht, ich darf's dir nicht sagen?

U-Blog Heute

Halb Neun. Zwei Minuten zum nächsten Zug. Die Heute Schlagzeile: Briten warnen vor Österreich-Urlaub. Wegen den Bergen und so… Neu im Untergrund: eine Stimme aus dem Off informiert, dass betteln verboten sei - wer spenden will, sollte das bitte schön bei staatlich anerkannten Organisationen tun. Schwedenplatz

11.7.06

U-Blog Heute

11/07/06

Punkt neun Uhr. Zwei Minuten zum nächsten Zug. WM-Live geht mir schon ein bissal ab. Aber Österreich ist ja nicht mehr weit. Schönbrunn. Ein Asiate mit Big Mac, Cola und Fritten steigt ein. Und das um neun Uhr früh! Zu meiner Überraschung riecht das gar nicht so schlimm. Anton hatte sein Date. „Nur zum Üben. Ich will ja gar nix von der,” hat er gesagt. Anton hatte, nach seiner Scheidung vor zwei Jahren, keine Verabredung mehr. „Zweimal war ich im Puff, aber sonst war da nix.” „Das Date war ganz OK. Ich wusste zwar nicht was ich reden soll, aber ich hab das ganz gut hin bekommen.” Nächste Woche will er dann mit ihr ins Kino. Schwedenplatz.

10.7.06

Esoterische Pädagogik

Ist es jene Esoterik, die nach Ansicht der ÖVP-Bildungssprecherin Gertrude Brinek zur "Verdummung der Gesellschaft" führt und der sie doch den Kampf ansagen wollte? Jedenfalls mutet der Vorschlag der geschätzten AssProf am Institut für Bildungswissenschaften der Uni Wien reichlich esoterisch an: Schülerinnen und Schüler, die noch nicht deutsch können, werden in eine Klasse mit lauter anderen Schülerinnen und Schüler gesteckt, die auch noch nicht deutsch können. Weil Sprachen lernt man ja bekanntlich am besten nicht in der Umgebung, wo sie gesprochen werden, sondern in Umgebungen wo sie nicht gesprochen werden? Integration durch Aussonderung, was für ein wunderbarer Orwellscher Gedanke!

Anpfiff

Die Kicker machen wieder Platz für den heimischen Politkick, diese Woche wird sich in seliger Einigkeit der Nationalrat vorzeitig auflösen. Der Herr Bundespräsident, der SPÖ aus seinem früheren Leben nicht unverbunden, hat ja der SPÖ die Qual einer langen Wahlschlacht erspart und sich staatstragend für eine baldige Wahl nach dem Sommer ausgetragen, erleichtert fielen alle in den Chor ein. Nur den genauen Termin will Klubobmann Molterer freundlicherweise noch verhandeln -- wahrscheinlich mit seiner Agentur, die bereits diesen Slogan für die ÖVP ersann: "Wählen Sie am 1. die 1." Wie schön, dass der 1. Oktober auf einen Sonntag fällt.

U-Blog Heute

10/07/06

Kurz vor halb neun. Zwei Minuten zur nächsten Bahn. Italien ist Weltmeister und Rudi Carrell ist tot. Schwedenplatz.

7.7.06

Geflügelte Braunbären

London hat zwar keinen Braunbären wie Bruno, aber dafür erregt die "Invasion der Reiher" die Gemüter. Hier an der Themse gleich gegenüber von Big Ben sitzt gerade einer, aber das ging ja noch an: Die Biester fressen die Goldfische und wahllos anderes Getier, was in einem Land der Hobbygärtner für maßlose Empörung sorgt. Und dann noch der scharfe Schnabel und diese Flügelspanne von zwei Meter: Das reicht schon, dass sich Spaziergänger fürchten, ereifert sich die Daily Mail. 471 Paare hat die königliche Vogelschutzgesellschaft 2001 gezählt, und keine Angst: "Sehen gefährlich aus, aber greifen keine Menschen an." Aber das haben die Tierschützer ja von Bruno auch gesagt, bevor die Bayern ihn "eiskalt gekillt" haben. 

Schweigen für 7/7

Hier in London haben sich mittags kleine Menschentrauben vor den Gebäuden versammelt. Zwei Schweigeminuten zur Erinnerung an 7/7, die Bombenanschläge vor einem Jahr. Schweigen braucht eine Gruppe: Der Einzelne als Einzelner schweigt ohnehin fast die ganze Zeit.  Wie schweigt man in dieser Zeit, gilt langsames Rollen im Taxi noch als Schweigen, wenn der Großteil des Verkehrs stillsteht? Unterbricht Mail am Blackberry das Schweigen, können die Mobilfunker in ihren Logbüchern feststellen, dass der Funkverkehr zu Mittag zum Erliegen kam?

U-Blog Heute


07/07/06

Kurz nach neun. Die Bahn fährt ein. Sitze in der Mitte des Zuges. Drei Tage schönes Wetter und die U-Bahn stinkt. Das macht die luftige Fußbekleidung mancher Fahrgäste. Heute sucht Schreiber. Wer Bild plus Story schickt, bekommt Kohle. WM-Live lässt heute hingegen ein bissal den Ehrgeiz vermissen. Die haben ihr Pulver gestern verschossen. Keine exklusive top Story. Pilgramgasse. Ein Geigenspieler steigt ein. Ich kenn den. Hat nur ein Lied im Programm. Die Leute sind genervt. Keiner gibt Geld. Anton ruft an. Er hat morgen ein Date. Mit der Ex-Frau seines Ex-Chefs. Schwedenplatz.

Der Herzinfarkt einer Heuschrecke

Kenneth Lay ist tot. Herzinfarkt mit 64. Das Gericht hat ihn des Betrugs schuldig gesprochen für seine Gaunereien mit und bei Enron, einer der größten Betrugsfälle der Wirtschaftsgeschichte. Oder der größte. Man verliert so leicht den Überblick schon bei zwei oder drei Milliarden Euro Karribik-Verlusten. Muss man die Größe einer Gaunerei an der Größe des Landes messen, in der sie stattfindet? Oder ist das wie mit den Reichsten, nur absolute Maßstäbe zählen? Jedenfalls: Das Strafausmaß war noch nicht verhängt. Ist der frühe Tod jetzt die gerechte Strafe? Oder hat sich Lay der Strafe entzogen? So wie der Diktator Milosevic, der im Haag starb, bevor das Urteil gesprochen wurde? Vielleicht sehen wir noch Peter Handke am Grab von Lay, man gewöhnt sich ja so schnell an bestimmte Rituale.

6.7.06

Bundesbahn-Blues, polizeilich verboten

Das Absingen des Bundesbahn-Blues ist im Pressezentrum der Bahn polizeilich verboten. Eigentlich ist die Geschichte mit der Verwandlung der Entlassung der angeblich bahnschädigenden Personenverkehrs-Chefin Goldmann in eine Verwarnung (Warnung des Bahnministers: Telefonieren für ihren gemeinnützigen Verein kann Ihre Karriere abrupt beenden!) an Grotesken kaum noch zu überbieten.

Aber ein Schäuferl hätt ma noch: Nachdem der Aufsichtsrat verwarnte, bat der ORF im Pressezentrum der ÖBB am Wienerberg die verwarnte Frau Goldmann zu einem TV-Interview. Aber halt! Schon kam die Polizei, berief sich auf den Eigentümer des Gebäudes, in dem die ÖBB nur Mieter ist, den Herrn Reithofer von Wienerberger, und sagte: Da gibts keine Drehgenehmigung, dieses Interview ist verboten.

Jetzt aufpassen: Weil abends in der ZiB2 wird der Herr Aufsichtsratschef Malik sein, vom Moltofon geordert (wenns nicht noch eine andere Befehlsausgabe in letzter Minute gibt): Hoffentlich haben die Kollegen dann auch eine Drehgenehmigung. Apropos Kollegen von der Agentur Hochegger, die ihr den ÖBB Chef beratet: Könnt Ihr Euren Kunden eigentlich vermitteln, welche Dinge in der Öffentlichkeit absolut nicht gut rüberkommen?

U-Blog Heute

6/7/06

Halb neun. Zwei Minuten zur nächsten Bahn. Steige in der Mitte ein. Schlagzeilen aus WM-Live aus dem Hause Fellner: La France in Trance, Merci Zizou, Das unglaublichste Märchen, Frankreich steht im Finale. Da wackelt sogar der Eiffelturm, Die Grand Nation bejubelt die süße Rache der Rentner, Millionen Portugiesen durchwandern das Tal der Tränen, Mille Gracie: ein Land dreht völlig durch, WM-Live Reporter Wolgang Ruiner tröstet die deutschen Semifinal-Verlierer und Les Bleus setzen am Sonntag auf ein Deja-Vu. Schwedenplatz.

5.7.06

Nachts laeutet das Moltofon

Abends im Büro des Vorstands der ÖBB Personenverkehrs AG. Die Chefin hat noch Akten zu studieren, ein wichtiger Auftritt beim Aufsichtsrat. Da läutet das Telefon: "Gorbach hier. Frau Diplomkaufmann, das ist ja ganz schrecklich was da passiert" So was löst Erinnerungen aus: Etwa an den Verkauf der Bodenseeschifffahrt an einen lieben Freund und künftigen Arbeitgeber des Vizekanzlers...

...anderswo in Wien, am Künglberg, ein einsamer Mann in seinem Chefredakteursbüro, auch er studiert noch Unterlagen für einen wichtigen Auftritt vor einer Untersuchungsgruppe des Stiftungsrats. Sexuelle Belästigung, wie lächerlich aus einer solchen Mücke einen Elefant zu machen. Fast eine Erlösung das Läuten des Telefons. Schon die Dringlichkeit de Läutens signalisiert: Es ist das Moltofon. "Willi hier. Du musst die ZiB 2 am Donnerstag freimachen. Da muss der ÖBB-Aufsichtsratschef ins Studio." Wie gut doch so ein bisschen Ablenkung gut.

ÖGB-Kassasturz

Ach, ist ja nicht so schlimm: Von 2,5 Milliarden Euro Schulden weiß der frischgebackene ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider (noch?) nichts, nach seiner Zählung sind es nur 2,1 Milliarden mit denen der ÖGB seinen Ausflug in das Biotop der Heuschrecken abschließt. Vielleicht taucht ja noch die eine oder andere Stiftung auf, in der ein paar Schulden geparkt sind. Aber immerhin: Die neue Offenheit ist angesagt, "wegen der Bilanzspekulationen wird im ÖGB erstmals eine ungewöhnliche und neue Art der Präsentation überlegt: Nämlich den Jahresabschluss nicht nur schriftlich, sondern erstmals in einer Bilanz-Pressekonferenz zu veröffentlichen". Wow.

Wir hätten einen anderen Vorschlag: Der ÖGB sperrt zu, falls für die Abfertigungen der Mitarbeiter nicht mehr genug da ist gibt's ja immer noch den Insolvenzausfallfonds, und den Mitgliedern empfiehlt man freundlich, doch von vorne anzufangen. Das wär dann quasi der Lackmustest dafür, wie lebendig die Gewerkschaftsbewegung ist. Schulden- und Heuschreckenfrei, ein Muster an neuer Glaubwürdigkeit, und womöglich dann gleich mit richtig demokratischen Vereinsstatuten. Wenn's gelingt können nach der Gründungsversammlung alle auf a Bur'nwurscht und a Bier gehen, das hat ja auch schon dem Herrn Hundstorfer geholfen über seinen Schock hinwegzukommen.

Bundesbahn-Blues (2. Strophe)

Wir wollen ja nicht auf Prinzipien herumreiten, wie der ÖBB-Aufsichtsratschef Ferdinand Malik. Der hat sich ja als strenger Prüfer des angeblichen Skandals geoutet, dass die ÖBB-Personenverkehrschefin Wilhelmine Goldmann für ihre gemeinnützige "Opernwerkstatt" Telefon und andere Kleinigkeiten aus dem Büro verwendet haben soll, was die Bahn um ein paar tausend Euro geschädigt haben soll.

Wir wollen also nicht auf Prinzipien herumreiten, aber eine Frage an den Herrn Malik hätten wir da noch: Wie funktioniert das, dass Ihr renommiertes Managementinstitut Beratungsaufträge von der Bahn angeblich in Millionenhöhe bekommt, der sie quasi als oberste Aufsicht vorstehen? Anders als der Herr Hundstorfer vom ÖGB wollen sie ja nicht einmal beim Unterschreiben dabei gewesen sein, aber gewusst werden Sie es doch haben? Und noch eine kleine Zusatzfrage: Die Frau Goldmann soll keine Beratungen von Ihnen gewollt haben. Doch nicht etwa in Fragen, die mit dem Umgang mit dem Bürotelefon für private Wohltätigkeit zu tun hatte?

U-Blog Heute


5.07.06

Kurz nach halb zehn. Zwei Minuten zur nächsten Bahn. Viele Leute am Bahnsteig. Ich zähle sechs Leute, die HEUTE lesen, eine Frau liest Woman und ein Mann guckt sich den Standard an. Das dürfte sich mit der letzten Media-Analyse decken. Der Zug fährt ein. Sitz und Boden sind mit ein paar gelesenen Heute Ausgaben vercshmutzt. Muss Eva Dichand für die extra Reinigung der Züge aufkommen? Schönbrunn. Mein Handy läutet. Telefoniere bis zur Station Pilgramgasse. Schau mir die Plakate in den Stationen an. Peter W. wirbt für Österreich. „Anpfiff für Österreich” steht auf einem rot weiß rotem Schal den Herr W. über seinen Kopf hält. Weiß Wolfgang Fellner, dass Westentaler für seine neue Postille wirbt? Schwedenplatz.

4.7.06

U-Blog HEUTE



04/07/06

Halb zehn. Zwei Minuten zum nächsten Zug. Gehe zum Ende des Bahnsteig. Schönes Wetter. Die U-Bahn fährt ein. Nehme im letzten Wagon Platz. Kaum Leute im Zug. Hitzing. Eine Muslima steigt ein. Sie trägt Kopftuch und ein T-Shirt auf dem in Glitzersteinen Rose geschrieben steht. Lese Profil. Christian Rainer war in Nord-Korea. Er schreibt von vielen hübschen Mädchen. Der Kunsthallen-Direktor war auch mit von der Partie. Ein selten schlechte Geschichte. Karlsplatz. Beim Ausfahren aus der Station glaube ich Anton am Bahnsteig zu sehen. Anton macht in Film. Besser gesagt er würde das sehr gerne tun. Früher war er Chefredakteur - bei der Zeitung des Todes namens Requiem. Ein Machwerk des Bazar-Verlags. Dessen Chef glaubte an das große Geschäft und wollte das Blatt mit Todesanzeigen finanzieren. Im redaktionellen Teil: die besten Friedhöfe, Tipps und Tricks bei Todesfällen plus Berühmtheiten und ihre letzten Ruhestätten. Anton musste als Chefredakteur und als einziger Mitarbeiter die Friedhöfe in Wien abklappern. Bei Angehörigen der Verstorbenen sollte er, zum Teil noch am offenem Grab, Anzeigen keilen. So weit der Plan. Anton schaffte keinen einzigen Auftrag. Er wurde verjagt, die Friedhofsverwaltung drohte mit der Polizei. Sein Chef wollte das Konzept nicht aufgeben. Anton musste handeln. Er verfasste Nachrufe in Eigenregie und erfand Todesfälle, die dann im Requiem abgedruckt wurden. Anregungen holte er sich von Patezettel, die bei Kirchen aushingen. Das ging nicht lange gut. Nach der ersten Ausgabe gab es einen Relaunch. „Das Blatt sei zu dunkel,” meinte sein Chef. Ausgabe drei sollte es nicht mehr geben. Schwedenplatz.

3.7.06

U-Blog Teaser



Ab morgen neu. Das Politbüro fährt U-Bahn. Täglich. Von Ober St. Veit bis Schwedenplatz.

2.7.06

Singing the Bundesbahn-Blues

Wie man kurz vor der Wahl noch schnell die letzte Rote in der umgefärbten Bahn los wird um so nebenbei noch ein Platzerl für – einen Orangen, einen Schwarzen, einen blassblauen? – frei zu kriegen: Man lässt ein Anwaltsbüro zusammen sammeln, dass die Vorständin des ÖBB-Personenverkehrs ihre "Stellung missbraucht hat" und der ÖBB Schaden verursachte. Wie? Mit Kuverts, ein paar Telefonaten und Mails im Büro, und ein bissl Sekretariatsarbeit für den gemeinnützigen Verein "Opernwerkstatt", wo die Vorständin Wilhelmine Goldmann als Chellistin Vorsitzende ist.

Gesamtschaden des "Missbrauchs"? Zwei- bis dreitausend Euro laut Anwaltskanzlei. Wir können davon ausgehen, dass die Anwaltskosten ein mehrfaches sind, so wie die Kosten der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung (6000 Euro), bei der am Dienstag eine Fristlose für die Vorständin ausgesprochen werden soll.

Dabei hat dem ÖBB-Chef Martin Huber das imageträchtige Engagement seiner Kollegin so gefallen, dass er vor der jetzigen Aufregung ihren Verein sogar direkt fördern wollte. Das wollte sie nicht, weil sie das als Interessenskonflikt sah. Also machte er ein Gentleman's Agreement um sie loszuwerden, freiwillig gehen und den "Missbrauchs-Vorwurf" für sich behalten. Hielt aber nicht, oder wie er das SMSte: Mit Frauen kann man kein Gentleman's Agreement machen. Also wird entlassen.

Haben wir eigentlich schon einmal erfahren, wie viele Kuverts, Telefonate, E-Mails- und Sekretariatsarbeit des Finanzministers (ÖBB-Eigentümervertreter) für die Erstellung seiner Homepage durch den New-Economy-Verein seines Kabinettschefs draufgingen? Die Rechnung würden wir noch gern einmal sehen.

1.7.06

Endlich wieder Provinz

Schnell noch einen EU-präsidenziellen Spatenstich für einen Baubeginn, der erst in einem halben Jahr beginnt, dann darf Österreichs Politik endlich wieder sein, was es am liebsten ist: Provinz & Posse. Keine dutzende EU-Sprachen mehr, die wir polyglott in unserem Logo führen müssen, statt dessen wieder Kampf gegen die Slawisierung von Deutsch-Kärnten. Die Roten, fast schon so tot wie Bruno der Braunbär, wollen bei solch historischen Chancen nicht zurückstehen, schließlich haben sie den Abwehrkampf jahrzehntelang selbst in leitender Position betrieben. Hazeh gegen Hojac im Wettstreit um die grauslichere Hetze: Das ist Brutalität. Schnell noch ein Hochwasserurlaub im Waldviertel, und schon kommt die Wahl herbei.

SOS Nachrichtenwildwuchs

Zuerst war der Mastenwildwuchs, dem unserer wackerer Lowlander mit dem Fällen zweier Masten entschieden entgegen treten konnte. Aber Erwin Pröll hätte besser ein paar Rundfunkmasten kappen sollen, denn dort gibt es neuerdings einen "Wildwuchs bei Nachrichten und Analysen", seit das Ö1-Journal über Prölls Mastenaktion berichtete.

Da Prölls Adlatus bei einem Interventionsanruf bei den Nachrichtenmachern den Wildwuchs leider nicht niederschreien konnte, muss Pröll jetzt selbst ran, und weil das Problem im ORF nicht die Generaldirektorin, sondern nur ihr Team ist, fordert er den Kopf des Hörfunkintendanten Kurt Rammerstorfer. Sonst wuchs Rammerstorfer in seiner stillen Radio-Regentschaft ja eher bescheiden vor sich hin und der einzige Wildwuchs, der ihm vorzuwerfen wäre, ist ein ganz anderer: 50 rote "Calling Mozart" Kioske im ganzen Land. Vielleicht ja alles eine ausgeklügelte Strategie, um den laut Zentralbetriebsratsdino Heinz Fiedler einzigen richtigen ÖVPler in Monika Lindners Team zu halten?