31.10.06

Sparefroh


Fast vergessen. Heute ist Weltspartag. Ein paar Groscherl zur Seite legen ¬– angesichts der angespannten politischen Lage ist das sicher nicht verkehrt. Wer weiß was noch kommt!

Nix mehr Dolce Vita

Jetzt hat der Herr Bundespräsident aber einiges zu tun. Der Grüß-August aus der Hofburg wird die nächsten Tage ein paar Überstunden machen müssen. Jetzt ist Schluss mit dem Dolce Vita. Mal gucken wie der „Präsi” die „Krise” angeht. Schmeißt er die Regierung raus? Setzt er Neuwahlen an? Packt er wie weiland Klestil die Sondierungskeule aus? Oder meldet er sich krank?

Milieubedingter Unmut

Das waren die Worte der Staatsanwaltschaft: Im Zweifelsfall kann man nicht nachweisen, dass unser oranger Herr Ingenieur "mehr als unbedachte milieu- und alkoholbedingte Unmutsäußerungen" getan hat. Reicht eh schon, wenn der Typ "milieu- und alkoholbedingte Äußerungen" macht, tun ma halt den Bodyguard mit seinem milieu- und alkoholbedingten Gehörschaden jetzt wegen der Verprügelung des Pressesprechers der Frau Noch-Justizministerin verklagen. Wie das G'scher, so der Herr.

30.10.06

Neuwahlen

Es riecht nach Neuwahlen. Das ist kein wirklich unangenehmer Geruch. Die SPÖ wirft Gusenbauer, den neuen Volkstribun in die Schlacht, und wird ein bis zwei Prozenterl dazu gewinnen. Die ÖVP wir sich von Schüssel verabschieden, den jungen Pröll aufs Podest heben, die Nichtwähler mobilisieren und die Prozente halten können. Die Grünen machen ein kleines Minus, die Freiheitlichen kriegen etwas dazu. Das BZÖ muss sich hingegen vor einem neuem Urnengang fürchten und wird die Hosen gestrichen voll haben - womit die drohenden Neuwahl doch noch zum stinken anfangen wird.

28.10.06

Van der Gusihaacee

Alarm, Alarm! Die ÖVP droht, die Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ abzubrechen, wenn diese am Montag gemeinsam mit FPÖ und Grünen einen Untersuchungsausschuss wegen der Eurofighter, einen U-Ausschuss wegen der Banken-Skandale und vielleicht auch noch einen dritten wegen des neuerdings schlechten Wetters beschließen.

Schaut zwar verdächtig danach aus, als ob die ÖVP in allen drei Causen was zu verbergen hätte (vor allem in der dritten: Schauen ja seit dem 1. Oktober drein wie sieben Tage Regenwetter, die Schwarzen!). Aber eigentlich haben sie recht: Wenn die Roten eh schon zwei Partner im Parlament haben, wozu brauchen sie dann noch die ÖVP? Rot-Blau-Grün wäre außerdem viel lustiger als die dröge Große Koalition: Traditionelles Kanzlerfrühstück mit Regierungschef Gusenbauer, Vizekanzler Van der Bellen und Innenminister Strache. Babsi Prammer serviert den Kaffee, Eva Glawischnig reicht den fair getraideten Zucker, Ewald Stadler übernimmt den Saalschutz. Her damit!

Goldene Regeln

Onkel Frank Stronach hat uns immer beigebracht, wer das Gold hat macht die Regel. Aber im Mutterland der goldenen Regel schauts derzeit grad umgekehrt aus: Wer die Regeln macht, der kriegt das Gold.

Im dortigen Wahlkampf, gegen den das Napalm der SPÖ grad ein paar Spritzer heißes Öl aus der Pfanne waren in die der Schüssel g'haut wurde -- also gut, das ist jetzt ein komplizierter Satz weil ma witzig sein wollten, wir fangen nochmals von vorn an.

Also, im dortigen Wahlkampf wandert das Spendengeld gerade großflächig von den Republikanern zu den Demokraten. Weil die Kapitalisten offenbar schon davon ausgehen, dass die Demokraten die Mehrheit übernehmen, oder zumindest einen Teil der Mehrheit, setzen sie ihr Gold auf diejenigen, die wahrscheinlich künftig die Regeln machen. Laut New York Times (Gratisregistrierung erforderlich) ist das die heftigste politische Umleitung von Geldströmen seit 1994, als die Republikaner Bill Clinton die Mehrheit wegschnappten.

Zwillinge





Der steirische ÖVP-Chef Schützenhöfer vergleicht die Verhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP mit dem Klima zwischen Nord- und Südkorea. Ein schöner Vergleich zumal Gusenbauer vor allem optisch locker mit dem „Geliebten Führer” aus Pyong Yang mithalten kann.

27.10.06

Fader Zipf

Der Herr Bundespräsident hat sehr schön zum Nationalfeiertag im Fernsehen gesprochen. Der Würde des Amtes angemessen. Herr Fischer ist klug, findet immer die richtigen Worte – aber er ist halt ein fader Zipf. Kein Vergleich zum Vorgänger. Der hatte es faustdick hinter den Ohren. Für den Boulevard ein Fest. Fischer ist einfach zu glatt. Bei dem ist scheinbar alles perfekt. Brave Frau, liebe Kinder, politisch immer korrekt – gibt’s da vielleicht nicht doch in eine kleine Leiche im Keller?

26.10.06

Nationalfeiertag


In Wien fährt die Armee auf, das Volk freut sich ganz damisch und stürmt den Heldenplatz. Am Land, ein paar Kilometer von der Stadtgrenze, hängt nicht einmal eine läppische Fahne. Die muss man sich selber malen. Brauchen anscheinend auch ein paar Panzer und Flieger die Leute da, damit sie mit den rot-weiß-roten Fahndln wacheln. Undankbares Pack.

Teuflische Kompotte


Diese Angst-Runde am Boulevard ging wohl an die Krone: "Teuflischer Entführungskomplott" der Rumänenmafia gegen Lady Fi durch beherzte heimische Exekutive verhindert, da sind die unbekannten Islamisten leider nur 2. Platz.
Und teuflisch wohlwahr: Damit hätt die ÖVP in Neuwahlen glatt Aussichten auf die Absolute gehabt, Solidarität mit Karl-Heinz und dann noch die Gefahr aus dem Osten. Aber eben: In letzter Minute verhindert! Also weitermachen mit Kassasturz, Herr Swarovski.

25.10.06

Knackige Punkte

Die Eurofighter sind einer, das Grundeinkommen ist einer, die Gesamtschule ist einer. Derzeit sieht man die Koalitionsverhandler vor lauter Knackpunkten nicht mehr. Nur was das eigentlich ist, ein Knackpunkt, das weiß man leider nicht. Ziehen wir zunächst Meyers 24-bändiges Konversationslexikon von 1905 zu Rate (wir recherchieren gründlich): Knackbeere, Knackerbse, Knackfuß (Hermann, Maler), Knackmandel, Knackweide - nichts.
Zweiter Versuch: Meyers feines Online-Lexikon 2006. Suche "Knackpunkt": "Die Suche nach ,Knackpunkt´brachte im gesamten Lexikon keine Ergebnisse." Dritter Versuch: Duden, Etymologisches Wörterbuch: "Knacken": mhd. für krachen, platzen, einen Riss bekommen (Wir kommen der Sache also langsam näher). Siehe "Nussknacker", "Geldschrankknacker" (das muss jetzt die Matznetter-Grasser-Arbeitsgruppe sein), oder auch "alter Knacker", ugs. für alter Mann (Schüssel?), Geizhals (Nulldefizit!) bzw. "Knackwurst" (mit Brille?): Nach dem knackenden Geräusch, das beim Zerbeißen der Pelle entsteht. (Würstel essen, das können sie also, die Herren Koalitionsverhandler!)
Aber wieder keine Spur von einem Knackpunkt. Letzter Versuch: Wikipedia: Suche "Knackpunkt" - "Es existiert kein Artikel mit dem Namen ,Knackpunkt´. Wenn du dich (seit wann sind wir per du, Wiki?) mit dem Thema auskennst, kannst du selbst den Artikel ,Knackpunkt´ verfassen." Leider, Wiki, wir kennen uns ja auch nicht aus. Aber wir haben eine gute Nachricht für unsere knackigen Großkoalitionäre: Es gibt gar keine Knackpunkte!

24.10.06

Neue, sympathische Gesichter

Den Königsweg aus der Krise hat Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl der ÖVP gewiesen: Neue, sympathische Gesichter müssen her! Und schon geht´s los: Beamtengewerkschaftsboß Fritz Neugebauer soll Zweiter Nationalratspräsident werden (da wird Eva Glawischnig am dritten Stühlchen ganz schön alt aussehen!), Ex-Innenminister Ernst Strasser und Alt-Jung-ÖVPler Werner Amon sind als Generalsekretäre im Gespräch, und Vizekanzler werden entweder Wolfgang Schüssel, Karl-Heinz Grasser oder Wilhelm Molterer. Ahja, und Finanzminister soll Leitl selbst werden. Neue Sympathie, wohin man schaut. Und vorläufig noch ganz geheim: Liesl Gehrer übernimmt die Junge ÖVP!

23.10.06

Minister-Lotto

Mal angenommen Rot und Schwarz haben sich in ein paar Wochen ganz ganz lieb, auf welche Minister dürfen wir uns freuen? Finanz: Grasser? Eher nicht. Matznetter. Eher auch nicht. Konsenskandidat: Christoph Leitl. Außenpolitik: sehr schwer. Wenn Leitl Finanz, ist hier Rot am Zug. Haben die da wen? Bildung/Wissenschaft: das möchte gerne der Brokal machen, oder der Pisa-Haider. Da wird sich der Gusi schwer tun. Landwirtschaft: Pröll. Eine sichere Bank – auch wenn der Pröll Vize wird. Wirtschaft: Bartenstein. Das ist so einer, der immer auf die Butterseite fliegt. Könnte sein, dass er sich wieder dazu schwindelt. Frauen: Bures? Gertraud Knoll wär auch noch da – eher aber nicht, der ist der zwar Gusi noch im Wort – aber die ist jetzt eh in Love. Sozialministerium: pah, das wird sehr schwer, das wollen die Sozis haben? Hier ein Außenseitertipp: Bernd Marin. Verteidigung: ist eigentlich Wurscht. Das könnte der Platter weiter machen. Justiz: Heide Schmidt? Mal sehen, ob es da mit dem LIF noch extra Absprachen gegeben hat. Verkehr: keine Ahnung. Innenministerium: sehr sehr schwer, ich könnte mir vorstellen, der Gusi packt den Schlögl wieder aus. Der kommt gut an bei den Leuten. Zudem ist ihm sehr fad in Purkersdorf.

Kanzler-Bashing

Das hat aber lange gedauert. Fast ein Monat nach der Wahl sind ein paar ÖVP-Granden jetzt endlich auf Randale aus. Für den bis dato unantastbaren „Noch-Kanzler“ regnet es eine Watschn nach der anderen. „Neue junge sympathische Gesichter müssen her,” lässt Christoph Leitl ausrichten. Ex-EU Kommissar Franz Fischler fordert eine Neustrukturierung, der zur „Landpartie” verkommen Partei. Michael Graf hat schon ein paar Tage zuvor eine Obmanndebatte gefordert. Und wie immer ein wenig Zeit verzögert macht auch Josef Pühringer beim Kanzler-Bashing mit und will wieder „mehr Sympathieträger in unsere Mannschaft bekommen." Auffällig an der ganzen Debatte ist das oftmalige Vorkommen von „sympathisch. Was will uns das sagen? Dass die jetzige Truppe von Schüssel über Lopatka bis hin zu Molterer und Gehrer ein Hort von „Unsympathlern” war?

22.10.06

Ich stehe zur Verfügung!

Die Ringe unter meinen Augen werden immer tiefer, meine Frau und mein Hund sprechen nicht mehr mit mir, meine Sozialkontakte verkümmern. Aber darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Regierungsbildungen sind nun einmal kein Honigschlecken. Da muss ich jetzt durch. Ich stehe zur Verfügung!
Tag und Nacht starre ich auf mein Mobiltelefon, wann endlich die magische Nummer im Display erscheint, wann endlich der ersehnte Anruf kommt. Um drei Uhr früh, wenn mir das müde Haupt auf die sehnsüchtig gefalteten Hände sinken will, reißt mich der elektrisierende Gedanke an meine strahlende Zukunft wieder empor: Pompöse Titel, schlanke Sekretärinnen, dicke Dienstautos. Ich stehe zur Verfügung!
Mitunter kommen mir Zweifel, ob ich es auch richtig angehe. PISA-Chef Günter Haider hat jetzt schon zum fünften Mal in Interviews erklärt, dass er zur Verfügung steht. Der Salzburger Landesrat Erwin Buchinger prescht jede Woche mit einem neuen Vorschlag vor, damit auch nur jeder weiß, dass er zur Verfügung steht. In all diesen Arbeitsgruppen sitzen überhaupt lauter Leute, die zur Verfügung stehen. Und ich bin in keiner dieser Sitzungen der Zur-Verfügung-Steher dabei. Trotzdem: Ich stehe zur Verfügung!
Besonders arg ist es bei Kunst und Kultur. Jeder, der schon einmal am Burgtheater vorbeigegangen ist, gilt plötzlich als ministrabel. Jeder, der schon einmal ein Autogramm gegeben hat, jeder Berg- und Tal-Doktor, jeder Komparse, Pinselwäscher und Souffleur, einfach jeder steht zur Verfügung. Dabei wissen die wenigsten, dass meine Großmutter mit der Köchin der Schwägerin von Paula Wessely befreundet war. Ich stehe zur Verfügung!
Auch sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich seinerzeit zur Schule ging, dass ich ein Inneres wie ein Äußeres besitze, dass ich sozialen Verkehr habe, dass ich ein stadtbekannter Abkanzler bin, dass ich mit meinen Finanzen in der Regel ganz gut wirtschaften kann, dass ich landwirtschaftliche Produkte (vor allem in flüssiger Form) konsumiere, dass ich mehrere Frauen kenne, dass ich auch einmal der Jugend angehört habe und zweifellos bald Senior sein werde, dass ich bei guter Gesundheit bin, dass ich Papierflieger basteln kann, dass ich Sport betreibe, dass ich ...

Der Anruf! Endlich! JA, JA, JA, HERR PARTEICHEF, ICH STEHE ZUR VERFÜGUNG!

Falsch verbunden.

Der talentierte Mr. Grasser

Die Republik: Ein Ödland in Sachen politischer Talente, wenn der Lowlander Pröll im ORF-Mittagsjournal so seinen Blick über die politische Steppe nach diesem Napalmwahlkampf schweifen lässt. Der Neffe natürlich, das ist ein politisches Talent, das man aber nicht vorzeitig als Kronprinz verglühen lassen dürfe, man hat ja einst beim Sonnenkönig Bruno und seinen Kronprinzen Poldi Gratz und Hannes Androsch gesehen, wie das endet.

Welche raren politischen Talente stehen also den Schwarzen in diesen Zeiten der Prüfung noch zur Verfügung? Na, natürlich der talentierte Mr. Grasser, der ja seine Talente für vieles bewiesen hat (wir erinnern u.a.: Beim Jacht-Partying mit dem jetzt des Betrugs angeklagten Mr. Flottl junior, oder beim Erstellen einer Homepage, oder dabei, das so genannte Nulldefizit in Zeiten der Hochkonjunktur wieder hochzufahren um Wahlkampf-Steuerreformen zu finanzieren). So talentiert ist der KHG, dass Pröll ihn für viele Rollen in einer kommenden Juniorpartnerschaft mit den Roten sehen kann. Vizekanzler Grasser, ich hör dir trapsen... Prada statt Tlapa.

(Genosse Georg, du hast ja so recht mit der Abnützung von Trapsen, verschlissener geht's ja wirklich nicht mehr)

20.10.06

Die Frist zur Orangenernte läuft

Jetzt ist es also amtlich, liebe Grüne, das Wahlergebnis. Ihr habt euch ja schon so schön auf eure Dritte-Kraft-Rolle eingerichtet, eine Präsidentin, eine Volksanwältin. Wenn da nicht womöglich die Blauen noch durch irgendwelche blau-orangen Machenschaften die eine oder andere Orange pflücken und an euch vorbeiziehen?

Wie wär's also damit, das Wahlergebnis anzufechten, wie euch das der Verfasssungsjurist Heinz Mayr so schön vorexerziert hat, womöglich wären dann die Orangen aus dem Parlament und euer dritter Platz auch tatsächlich ein solcher.

Ihr könnt natürlich auch brav drauf warten, dass die anderen tricksen und dann die empörten Ausgetricksten abgeben. Vier Wochen ist ja jetzt Zeit, der Verfassungsgerichtshof hat schon vorsorglich mitgeteilt, dass ein Verfahren "natürlich höchste Priorität" hätte.

Schüssels Nannygate (4)

Es treibt einen ja richtig den Schweiß auf die Oberlippe, wie der Noch-Kanzler mit seinem persönlichen Pflegenotstand umgeht. Im Wahlkampf meldete sich eine Familie M. in einer Schüssel-Sprechstunde auf Ö3, die sagte sinngemäß: Deine Family hat illegal eine Pflegerin beschäftigt, meine Family hat illegal eine Pflegerin beschäftigt – warum sagen's zu dir Kanzler und uns strafen sie mit 1650 Euro (dankenswerter Weise nach Anzeige des Roten Kreuzes, gelungene Nachbarschaftshilfe)?

Der Kanzler sagte: Fürchtet Euch nicht, mein Bartenstein bringt das wieder in Ordnung. Aber der Bartenstein kann sich zwar einen Schuhrabatt beim Humanic herausholen, bei der 1650-Euro-Strafe ist es geblieben. Alles rechtens, kann man leider nix machen.

Jetzt hatte die Sache ein Nachspiel, schreibt der Standard. die uns vielleicht erklärt, warum man zu ihm bald nicht mehr Kanzler sagen wird: Eines Tages läutete bei Familie M. das Telefon und Schwester Waltraud war am Apparat. Die Waltraud, die als Klasnic für den Schüssel jetzt die "Pflege-Arbeitsgruppe" koalitionstauglich pflegt. Sie fragte nach der Kontonummer der M.s und zahlte die 1650 "privat" ein.

19.10.06

Gusenbauer nach Moskau

Da wirft ein aufstrebender Außenpolitiker, charismatisch wie einst sein Vorbild Bruno Kreisky, seinen Schatten voraus: Gusenbauer reist nach Russland. Berichtet uns Österreich. Was macht der Mann in Russland, wir dachten er will hier eine Koalition auf die Reihe kriegen, um Volkskanzler zu werden? Aus Dankbarkeit Mütterchen Erde ein zweites Mal küssen? Oder ein bissl mit dem Putin champagnisieren, macht sich gut als Foto-Opportunity für heimische Gazetten? Nein, er bereitet sich offenbar auf das Kapitel Wirtschaft in den Verhandlungen vor und nimmt an einem Wirtschaftsseminar des Föderationsrates teil. Vielleicht gibts dort ein paar MIG günstig zu kaufen.

Mein Gott, Madonna!

Ist ja normalerweise nicht unsere Baustelle, aber der große Gutmenschenaufschrei reizt schon zum Widerspruch: Madonna fliegt nach Malawi, legt ein paar Millionen für ein Waisenhaus auf den Tisch und adoptiert in Windeseile eins der Kinder, ab mit dem Privatjet nach London. Das ist gegen die malawischen Bestimmungen, aber so genau nimmt man es dort bei Bedarf nicht (was das eigentliche Problem ist). Jetzt kann man darüber philosophieren, ob Reichtum und affektierte Stars die ideale Adoptionsfamilie für ein afrikanisches Halbwaisen-Kind sind, oder besser doch ein Waisenhaus in Malawi, und wie viele Sozialarbeiter wie lang Madonna und Guy Ritchie oberservieren müssten bis zu einem korrekten Gutachten. Die Antwort darauf kann nur ersteres sein, wenn man kein Zyniker ist. Was soll also der Aufschrei bringen, das Kind wieder zurück in sein Elend deportieren? Geh bitte, net im Ernst.

Quicktour. Best of Austria 19/10/06

elsner kommt zurück - schüssel geht vielleich nach brüssel, ein zusammenhang dürfte hier nicht zu sehen sein, pröll will immunität abschaffen - darüber müsste man jetzt nachdenken, grasser laut news als övp chefe im gespräch (darum will er auf einen bauerhof ziehen, um beim bauernbund gut wetter zu machen) - grazer bürgermeister fordert zwangstherapie für süchtige, da besteht sicher ein zusammenhang, bzö vielleich doch raus aus dem parlament - die chancen, dass westi sich demnächst vertschüssen wird steigen täglich, ex polizei chefe horngacher soll orf mitarbeiterin bedroht haben - gut der hat jetzt zeit

18.10.06

Na endlich: Eine Obmanndebatte

Seit jenem ersten Sonntag im Oktober, an dem das Wahlvolk die Schwarzen auf den Platz verwiesen hat, auf den sie die ÖVP 30 Jahre lang verwiesen hat, ehe sie vom zweiten auf den dritten Platz deklassiert wurde – also: Seit jener ÖVP-Niederlage vergeht kein Tag, an dem uns nicht gesagt wird was anders ist als bei früheren Niederlagen, nämlich: Dass es nach der Niederlage keine Obmanndebatte gibt.

Alle, alle sind offenbar happy damit, wie Wolfgang Schüssel mit steinerner Mine den Koalitionsverhandlungskarren mit seinem Beifahrer KHG gegen die Neuwahl-Wand fährt. Wirklich alle? Nein, da hinten auf dem Stehparkett, wo es keine Sessel mehr zu verlieren gibt, muckt einer auf: Michael Graff, der Mann, der seinerzeit Waldheim exkulpierte weil ihm nicht nachzuweisen war, dass er "sechs Juden eigenhändig erwürgte".

Graff ist noch immer für ein paar lockere Sprüche gut, also richtet er Schüssel über News aus, dass er einen "Scherbenhaufen" angerichtet hat: "Er kann jetzt nicht mehr weiter herum tricksen, es soll sich endlich ausgetrickst haben." Praktischerweise hat der Kurier gleich einen Posten für den Ex gefunden: EU-Außenminister nach dem Abtritt Solanas. Vielleicht damit wir den Ajatollahs im atomgetriebenen Iran zeigen können, was richtiger Fundamentalismus ist.

Grüne austricksen

Grüne, haltet Eure Posten fest! Bei Blau-Orange braut sich was zusammen! Chef-Schnäuzelchen Norbert Steger deutet in der "Presse" an, dass Jörg Haiders BZÖ der FPÖ als Vorleistung für die Wiedervereinigung vor dem 30. Oktober doch nur ein, zwei Leihmandate rüberwachsen lassen müßte, wodurch die FPÖ wieder klar drittstärkste Partei wäre und den Grünen den Dritten Nationalratspräsidenten und den Volksanwalt wieder abjagen könnte. Gleichzeitig philosophiert Jörg Haider über eine CDU/CSU-Lösung im Dritten Lager mit dem BZÖ als Kärntner CSU (schon jetzt sind ja 4 der 7 verbliebenen BZÖ-Angeordneten Kärntner). Die FPÖ sagt vorerst noch ein klares Nein so solchen Überlegungen, aber der gute HC war schon immer ein bissel langsam im Denken. Aber das wird schon noch. Sturmvogel, ich hör dir trapsen!

Schweigen oder gleich Neuwahlen

Für uns hat ja die Geschichte einstweilen noch einen relativen Unterhaltungswert: Vor den KapitulationsKoalitionsverhandlungen eine Pressekonferenz worüber unbedingt verhandelt werden muss und was keinsfalls verhandelbar ist, nach den Verhandlungen offener Rosenkrieg der ewig Beleidigten.

Aber weil wir halt so staatstragend sind und darüber zur Not und im Interesse des Landes auch eine zeitlang zum Zeitvertreib auf CSI und Desperate Housewives (und sogar auf Bundesligaspiele im ORF, brrrr!!) ausweichen würden, diese Empfehlung: Die künftigen Verhandlungen am besten im Trappistenkloster mit Schweigegelübde und bei Wasser und Brot bis zur Unterschrift. Oder sonst besser gleich das Ende mit Schrecken und Neuwahlen servieren.

Und apropos Neuwahlen, damit das auch was bringt: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um über ein künftiges Mehrheitswahlrecht zu diskutieren. The winner takes it all, dann gibt's halt einen Wechsel in der Politik statt dieser zähen Gockelkämpfe. Das in regelmäßigen Abständen wiederkehrende Schauspiel, wie die Verlierer am Verhandlungstisch versuchen als Sieger hervorzugehen ist entbehrlich. Wie auch in Deutschland: Mit vier, fünf Parteien in einem Parlament wird das immer mühsam werden.

Beschäftigungstherapie

Grasser macht sich bei den Koalitionsverhandlungen wichtig. Das sitzt er, wie in einer geschützten Werkstätte, mir nix dir nix drinnen und redet, wie man so hört, obergescheit daher. Sinn macht das natürlich keinen. Das müsste schon sehr blöd hergehen, dass er nochmals den Finanzminister machen darf. Da fällt uns eher ein Meteorit auf den Kopf. Wahrscheinlich ist das so eine Art Beschäftigungstherapie. Oder wo sind die tollen Jobs aus der Privatwirtschaft?

17.10.06

Zum Lachen in den Wald gehen

Schön langsam werden die eigentlichen Zusammenhänge sichtbar: Unser liebenswerter künftiger Vizekanzler in spe, der Josef Pröll, ist Leiter des ÖVP-Zukunftsteams, aber dafür nicht in der schwarzen Verhandlungstruppe. Gleichzeitig wurde aufgrund unermüdlicher Forschungsarbeit bekannt, dass unsere Wälder immer mehr Lachgas produzieren.

Jawoll, Lachgas! Dämmert es schön langsam? Wenn sich dann die Verhandler über Postenvergabe zum Ablauf des schwarz-orangen Auslaufmodells und das unverrückbare neoliberale Erbe des Herr SvarowkiGrasser endgültig in ihrer Keiferei ineinander verbissen haben, so spätestens nach drei weiteren Sitzungen, dann kommt der Wald- und Lebensminister und schlägt zur Entspannung einen Waldspaziergang hervor, und am Ende geht er noch als Oberförster aus dem Wald hervor.

Pscht, pscht: HC!

Nach der heutigen, zweiten Runde der Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP bedauern wir wieder einmal aufrichtig unsere Berufswahl. Warum sind wir bloß nicht Mediator geworden? Oder personifiziertes Kriseninterventionszentrum? Oder wenigstens politischer Broker? Unser streng vertraulicher Insider-Tipp heute: Große Koalition: Nachbörslich leblos. FPÖ-Aktien nach dem rot-schwarzen Postenschacher-Hype: kaufen, kaufen, kaufen!

Causa Westi, Pfurz oder Furz?

Der Herr Walch, seines Zeichens überflüssig gewordener oranger F. (Funktionär), wirft im Zusammenhang mit der Causa Westenthaler, eine interessante Frage auf. Die ganze G'schicht – also die von 15 orangen Zeugen bezeugte nicht stattgefundene Verprügelung des Pressesprechers der abtrünningen Bald-Ex-Justizministerin – also diese ganze Sache ist nur "ein Medienpfurz", erklärte der Herr Walch.

Pfurz? Das lässt uns auch nach Recherche im sechsbändigen Großen Wörterbuch der Deutschen Sprache ratlos zurück, auch wenn wir 30.200 Vorkommen gegoogelt haben, darunter die aufschlussreiche Seite Pfurz.de, die interessante "Rezepte für rasche Blähungserfolge" gibt, der sich vermutlich orange Funktionäre gern bedienen und so auf den Walch'schen "Medienpfurz" kommen, statt auf das dudennotierte Furz zurückzugreifen, von dem es lt. Großem Wörterbuch auch "fröhliche" gibt (wie in "Aus einem traurigen Arsch fährt kein fröhlicher F.").

Vielleicht verhält es sich aber mit der Causa Westenthaler einfach so:

Aber wir sind sicher, die Oberstaatsanwaltschaft wird das alles gründlich prüfen.

Last Exit Ebreichsdorf

Westenthaler. Seit ein paar Tagen ist der 7 Prozent plus Mann von der Bildfläche verschwunden. Unheil braut sich zusammen. Halbmond-Affäre, miserables Wahlergebnis, Prügelaffäre …… das schaut nicht gut aus. Da wir er wohl wieder in Ebreichsdorf beim Onkel Frank Pferdeäpfel zählen müssen. Wenn ihn der noch haben will.

16.10.06

Homepage-Säuberung (2)

Bei SPÖ und ÖVP war man ja übers Wochenende schon ganz fleißig am Säubern, all die Pfui-gack-Gschichten aus dem Napalm-Wahlkampf raustun, war ja doch ein sauberer Wahlkampf. Aber wer säubert eigentlich YouToube von diesen garschtigen Videos, können wir das klären bevor wir uns dem Eurofighter und anderen Kleinigkeiten widmen? Wie zum Beispiel dieser böse schwarze, ostküstenverdächtige mit dem "Moriz Elsner",

oder dann natürlich diese ganze widerliche Lügengeschichten:

Barfuß, der Franco-Fan

Während die Parteien mit Homepage- Säuberungen beschäftigt sind, füllt unsäuberliches Geschwafel in den Nebenrollen die Sphären. Im Standard-Interview outet sich der oberste Wettbewerbshüter Walter Barfuß als Fan des spanischen Faschistenführers Franco. Faszinierend, was der Mann so getan hat, "nicht alles schwarz oder weiß" die Diktatur, weil "Franco war ein eitler, sportlicher und mutiger Militarist" und dass er ein paar "unglaubliche Dinge mitverschuldet hat" muss man ihm doch nachsehen, weil er hat "Hitler und die Allierten aus dem Land gehalten, Demokratie ermöglicht". So aus dem Land gehalten, dass Hitler in Guernica erstmals probieren konnte wie man eine ganze Stadt mit Bombern ausradiert, und ein paar andere "unglaubliche Dinge". Und wie bitte, Demokratie ermöglicht? Eine Demokratie, die was auf sich hält, würde gegen diese Art von Staatsdiener wie dem Herrn Barfuß ein Diszpinarverfahren einleiten.

Schwarzer Affe

Die ÖVP scheint in Sphären fern jeglicher Realität zu schweben. Dem Volk ist das schon ein bisschen lästig. Wortfetzen aus der U-Bahn: minus 10 Prozent reicht ehm woi net den Teschek, jetzt wü er wieda mit de Blauen zamm. ……………… …………… schleichn soi er si endlich der schwarze aff

14.10.06

Homepage-Säuberung

Also, keine weiteren KapitulationsKoalitionsverhandlungen mehr bis nicht noch für den letzten Wahlkampf-Lügenvorwurf der Gusi zwei Kniefälle getan und drei Kanzler-Unser gebetet hat und wirklich alle Homepages gesäubert sind, hat der Noch-Schweigekanzler dem Volkskanzler in spe ausgerichtet, ehe er ihn eine Geheimhaltungsvereinbarung für die Eurofighter unterschreiben hat lassen.

Geht uns ja an sich nix an, aber als sauberes staatstragendes Organ wollen wir einem möglichen Koalitionswaffenstillstand nicht im Wege stehen. Also haben wir mal vorsorglich geschaut, was an unserer Hompage alles zu säubern wär und versprechen: Keine Schüsselschen Nannygates mehr, keine schlechten Worte über die Rechenkünste der scheidenen Pisa-Ministerin, keine Skandalometer-Ablesungen mehr, kein Wort mehr über die Jachtausflüge des feschesten Finanzministers aller Zeiten mit dem größen mutmaßlichen Spekulationsbetrüger der 2. Republik, oder man darf uns ungestraft Lügner nennen.

Nur dieses eine kleine Video, dieses kitzekleine Video muss doch bleiben:

13.10.06

SALT III

Freitag, der 13. Das ist wirklich ein guter Tag, um mit Koalitionsverhandlungen zu beginnen. Wobei SPÖ und ÖVP ja eher "Abrüstungsgespräche" nach dem harten Wahlkampf führen, wie sie gestern bekannt gaben. Quasi SALT III. Wir erinnern uns an 1979: Jimmy Carter und Leonid Breschnew unterzeichnen in Wien das Abrüstungsabkommen SALT II. Zwei Großmächte, das Reich des Guten und das Reich des Bösen - ganz wie gestern am Verhandlungstisch. Wir wissen also auch schon, wie´s weitergeht: Aus dem Abrüsten wird ziemlich rasch wieder ein Aufrüsten, ein Sich-gegenseitig-Hochlizitieren, ein Rüstungswettlauf, bis eine der beiden Seiten zusammenbricht, weil sie nicht mehr mit kann. Koalitionsverhandlungen a la Ronald Reagan.

Entgegenkommen

Das wichtigsten Entgegenkommen ist, dass wir mit der SPÖ verhandeln“, sagte Wolfgang Schüssel zu Beginn der Koalitionsverhandlungen. Ein schöner Ausspruch, der in Zukunft in allen Lebenslagen Verwendung finden wird. Zum Beispiel am Arbeitsplatz: „Das wichtigste Entgegenkommen lieber Chef ist, dass ich heute überhaupt in die Arbeit gekommen bin.” An der Tankstelle: „Das wichtigste Entgegenkommen ist, dass ich Ihnen überhaupt Benzin verkaufe.” Der Pilot im Flugzeug: „Das wichtigste Entgegenkommen verehrte Passagiere ist, dass Sie heute mitfliegen dürfen.” ……………………

12.10.06

ORFokratie

Inzwischen in der Hauptstadt des Lowlands, die Erwin Pröll mit seiner eigenen Hände Arbeit aufgebaut hat, wir schreiben Dienstag, den 10. Oktober.

ORF Landesdirektor Norbert Gollinger, ein Survivor der Orfschen Regenbogenkoalition, lädt zu seinem 50. Geburtstag ins Landesstudio. Militärmusik, Ranghohe Militärs, Mitglieder der Landesregierung, Vertreter der Kirche, Spitzen des ORF, alle sind gekommen.

Gollinger wird von Innenministerin Liese Prokop zum Professor geadelt. Das Militär und Raiffeisen schenken die "Professor-Gollinger-Fanfare". Noch-ORF-Generalintendantin Monika Lindner hat sich den Personalakt ihres Freundes ausheben lassen und zitiert genüsslich in der Öffentlichkeit daraus.

Chefredakteur Richard Grasl moderiert und erzählt eine Schnurre: Die damalige Landesdirektorin Monika Lindner kam mit Norbert Gollinger in die Redaktionssitzung. Der Chefredakteur muss schließlich ja von der Redaktion gewählt werden. Grasl, damals freier Mitarbeiter, nimmt seinen ganzen Mut zusammen und fragt die Landesdirektoren, was ist, wenn Gollinger von der Redaktion nicht gewählt werden sollte. Lindner: "Dann wird er's trotzdem!" Erwin Pröll zuckt.

Böse Gastinger

Muss Westenthaler ins Häfn? Vielleicht. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung habe laut Zeitungsbericht den BZÖ-Chef in der Prügel-Affäre wegen Nötigung angezeigt. Bei einem Schuldspruch gibts für den Ingenieur für bis zu einem Jahr nur Wasser und Brot. In einem Bericht der "Zeit im Bild 2" hat die Wiener Polizei die Meldung bestätigt. Das BZÖ spricht von einer "klaren Falschmeldung". Egal. Ein Sündenbock ist längst gefunden. Justizministerin Karin Gastinger hat das ganze ausgeheckt. Laut BZÖ Aussendung hat sie eine Weisung an ihrem angeblich von Westenthalers Leibwächter verprügelten Pressesprecher Christoph Pöchinger ausgegeben, Westenthaler mit „absurden Anzeigen” zu schaden. Das BZÖ verlangt, dass „diese Vorgangsweise von Frau Gastinger einer sofortigen Überprüfung zu unterziehen ist. Hier besteht der dringende Verdacht, dass „die scheidende Ministerin ihr Amt für persönlich Zwecke be- und ausnützt."

Wie stellen wir uns das vor? Gastinger zieht in Mafia-Manier Pöchinger ein paar über: „Tschuidgung Chrisi, i muas des für die Rebublig toan.” Der schwer verletzte Pöchinger schleppt sich in der Wahlnacht in das besagte Lokal, wirft sich zu Boden, schreit Überfall und lässt sich wenig später im Spital behandeln. Anders kann das nicht gewesen sein.

11.10.06

Arschknapp und Arsch z'samm

Arschknapp (© Van der Bellen) Dritte sein genügt den Grünen, da kneift man jetzt den Arsch z'samm und will den Einzug der Orangen ins Parlament nicht anfechten, wie das der Verfassungsrechtler Heinz Mayer als Möglichkeit argumentiert hat. Nur net angriffig sein, das überlässt man lieber den Westis der Republik. Und falls dann am Ende auch noch Schwarz-Blau-Orange rauskommt dann können die Grünen wieder in ihre Lieblingsrolle der heiligen Opposition der Gerechten verfallen. So ist's brav, nur nicht einen Gegner, der es verdient hat, aus dem Spiel werfen wenn vielleicht endlich eine Gelegenheit wär.

Mittwoch ist Khol-Tag

Jetzt ist er also weg, der Khol. Eine erstaunliche Karriere, eigentlich. Vom Bettvorleger Ronald Reagans über den ÖVP-Klubobmann von Erhard Buseks (!) Gnaden bis zum "Sportstück"-Anhänger von Elfriede Jelinek. Von der FPÖ "außerhalb des Verfassungsbogens" zur grauen Wende-Eminenz, von Mocks Adlatus zu Westenthalers Partner, vom Südtirol-Kämpfer zum Muppet, das er jetzt nicht mehr sein will. Tempi passati, würde Andreas Khol sagen. Um einen (wenn möglich lateinischen) Sinnspruch war er ja nie verlegen. In einem Interview vor der Wahl wurde er gefragt, was für ein Spruch ihm denn zum 1. Oktober einfällt. "Wer zuletzt lacht, lacht am Besten", antwortete er. Und wie recht er hatte! So wie Gusi lacht keiner.

Keine Rosen ohne Dornen

Gehrer sicher weg, Kohl sicher weg, Gorbach sicher weg, Haubner sicher weg, ……… so schlecht sind die Wahlen gar nicht gelaufen. Grasser, Schüssel und vielleicht auch Bartenstein werden folgen … Bittere Pille: diese Westenthaler Kretzn muss noch vier Jahre lang ertragen werden, Cap und Bures sind auch keine leichte Kost, von der Strache Fascho-Partie ganz zu schweigen. Vom Unterhaltungsfaktor ist es um den Gorbach schade, da wird eine Lücke klaffen, die schwer zu füllen sein wird.

Regierungsbildung

Es ist nicht nur die Zeit der langen Koalitionswerdungen, sondern auch die Zeit der langen Worte. Heute lud Alfred Gusenbauer beispielsweise anlässlich der - so die Einladung - Erteilung des Regierungsbildungsauftrags zu einer öffentlichen Erklärung ins Parlament. Also quasi zu einer Erklärung anlässlich der Regierungsbildungsauftragserteilung. Oder einfacher gesagt: Zu einer Regierungsbildungsauftragserteilungserklärung. Wie wir nun diversen Regierungsbildungsauftragserteilungserklärungsberichten entnehmen, haben sich die Regierungsbildungsauftragserteilungserklärungsberichterstatter dabei etwas gelangweilt. Doch in aller Kürze gesagt: Nichts ist uns wurschter als diese ewige Regierungsbildungsauftragserteilungserklärungsberichterstatterlangeweile. Aber echt.

10.10.06

Schon wieder vorbei


Und so schnell war alles im Korb, hat unser aufmerksamer Leser Bobby Reimund beobachtet. Wir danken artig für den Knips.

In den Schuhen des Fischers

Wie sich Unser Herr Bundespräsident auf einen ganz wichtigen Tag in seiner ersten Amtszeit vorbereitet – das minutiöse Protokoll EXKLUSIV nur in [politburo.com]:

08:30 – Das Vorspiel: "Die Präsidenten der vier Sozialpartner-Organisationen Leitl, Hundstorfer, Schwarzböck, Tumpel bei Bundespräsident Fischer", natürlich "bekennen" sich alle pro Großer Koalition (alles andere wäre bekanntlich "Wahnsinn", © Liese Prokop).

10:32 – Der Paukenschlag aus der Hofburg: "Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat nach Vorliegen des endgültigen Wahlergebnisses Dr. Alfred Gusenbauer für morgen (Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10.00 Uhr) in die Präsidentschaftskanzlei eingeladen. Es ist zu erwarten, dass der Bundespräsident Dr. Alfred Gusenbauer den Auftrag zur Bildung einer Regierung erteilen wird."

12:28 – Jetzt zu den erfreulichen Seiten des Amts: "Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat dem Schauspieler Gert Voss zum 65. Geburtstag ein Glückwunschschreiben übermittelt."

12:32 – Das Erfreuliche geht weiter: "Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat Dr.h.c. Hella Hilde Gertner zum Geburtstag ein Glückwunschschreiben übermittelt."

12:36 – Jetzt geht es Schlag auf Schlag: "Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat Landeshauptmann a.D. Hans Sipötz zum 65. Geburtstag ein Glückwunschschreiben übermittelt."

12:55 – Bruno Aigner, langjähriger treuer Wegbegleiter unseres Herrn Bundespräsident und Hr. Dritter Nationalratspräsidentin in spe, darf durchatmen, für UHBP wird das mitgebrachte Mittagessen gewärmt, die Pause ist verdient.

16:01 – Über wichtige heimische Tage darf der Blick für das Große, Ganze nicht verloren gehen: "Der Papstbesuch im September 2007 in Österreich wird nicht für die Christen in Österreich große Bedeutung haben, sondern auch für den Staat. Das betonte Bundespräsident Heinz Fischer in einem Interview für die TV-Sendereihe "Orientierung", teilt uns Kathpress mit.

22:30 – Nur noch einmal schlafen, von vernünftigen Verhandlungen träumen, dann ist der große Tag schon da.

Kampusch jetzt 50 % billiger

Für Kampusch Interviews gibt es jetzt dicke Prozente. Die Anwälte lassen die Hosen runter. Nach News und Krone holen sich auch Standard und Kurier ihre Portion Natascha in die Redaktion. Nur Österreich steht noch auf der Warteliste. Die dürfen dann kurz vor Weihnachten mit der Ganzen Woche am Kampusch Wühltisch die Reste verwerten.

2x0,5 Orangen ist keine Orange

Könnte einem Haiderschen Ortstafelverrückerhirn entsprungen sein, die Idee: In Kärnten ist es eine Liste Haider, außerhalb des orangen Landes ist es eine Liste Westenthaler. Jede für sich ist weit von den vier Prozent weg, die's für den Nationalrat braucht, also kann keine von beiden rein.

Oder was gäb's für einen Grund, die beiden zu addieren? Da könnten ja auch die Liste "Matin" und die Kummerln und die paar restlichen ihre Stimmen zusammenlegen und wären dann auch noch im Nationalrat. Getrennt marschieren, vereint verlieren, wär ein hübsches Gedicht für den Krone-Wolf.

Für diese Stimmprozentverrückungsidee hätt sich der Verfassungsrechtler Heinz Mayer einen Orden und ein lebenslanges Recht auf ein tägliches Glaserl frischgepressten Orangensaft verdient, wenn er damit durchkommt.

Aber hallo, "Österreich"!

Es ist doch nicht zu fassen: Österreich soll nicht Österreich bleiben dürfen, wenn das kein Fall für Hazeh ist. Da klagt doch einer Österreich (das Revolverblattl, aber dazu kommen wir gleich), dass es sich nicht anmaßen dürfe sich als Österreich (Heimat bist du, schönes) auszugeben.

Da kann er nicht tatenlos zuschauen, der Bürger Hans Böck, jetzt Privatier, frühere "Heute"-Anzeigenverkäufer für Eva Dichand. Und marschierte zum Patentamt, auf dass es die Rechte für die Wort-Bild-Marke des träumenden Fellners lösche. Weil der Name des 1000-jährigen Reichs ist "ökonomisch heilig und unantastbar", Österreichistunserlandundkeinezeitung, Amen!

Was bleibt da einem ehrlich patriotischen Zeitungsverleger noch übrig? Vielleicht das, was sein Blattl dem AUA-Betriebsrat unterstellt: Der "schießt gegen den Finanzvorstand". Schützt den Bürger Böck! sonst wird noch der Fellner gegen ihn schießen. Aus allen Rohren Österreichs.

Peinlich

Der Standard macht auf News. Und zwar ohne Abstriche. Auf standard.at zeigt, wie vor ein paar Wochen News-Dino Alfred Worm, Standard Redakteurin Irene Brickner die morgige Print-Ausgabe mit einem Kampusch-Interview Beweisfoto am Cover in die Kamera. Frau Brickner schaut dabei sehr stolz und glücklich aus. Vielleicht ist die Aktion als Persiflage gedacht? Das wäre dann eh ganz OK. Wenn nicht, wirkt die Geschichte eher peinlich. Was soll diese aufgewärmte Sache. Zumal auch der Kurier die Geschichte hat.

Der Wahnsinn in der Politik

Alles andere als eine große Koalition wäre "Wahnsinn", erzählt uns Wahrscheinlich-Bald-Ex-Innenministerin Liese Prokop. Also so ein Wahnsinn wie die letzten sechs Jahre, das sollte nicht mehr sein. Medizinische Konsensmeinung dazu: Recht hat sie, der Wahnsinn muss ein anderer werden.

Kampusch reloaded

Kaum ist es um Frau Kampusch ein wenig ruhiger geworden, zerrt man sie wieder vor den Vorhang. HEUTE macht sich heute eher harmlos Sorgen um ein böses Kampusch Lied. Der Standard hat hingegen für die morgige Ausgabe ein Interview angekündigt. Bis vor kurzem mokierte sich das Blatt noch ob des unerträglichen Medienhypes und forderte auf die Frau in Ruhe zu lassen. Warum gerade jetzt der Schwenk, wird wohl morgen aufgelöst.

Quosque tandem?

Dritte, na und? Die Freude der Grünen ist ja lieb, aber ein bissi Eunuchen-haft: Was machen wir jetzt mit diesem prächtigen, um fünfhundertirgendwas Stimmen gegenüber jenem der Blauen erigierten Stimmen-Schniedl auf der ORF-Grafik? SPÖ, ÖVP - einlochen ist nicht. Langsam fragt man sich (um auf den Titel zurück zu kommen): Wie lange soll man noch seine Stimme für Grün wegwerfen? Fällt das eigentlich unter Biomüll? Ach, was war das 2002 doch für eine Chance ...

9.10.06

Grüner Herbst

Jetzt haben wir den Salat: Eine grüne Präsidentin im Nationalrat, und eine grüne Volksanwältin – auch wenn die Orangen mit dem Fallen der letzten Wahlblätter nicht mitgefallen sind, die Grünen sind jetzt im Fotofinish Dritte geworden. Stillen auf der Präsidialbank: Wär doch jetzt eine echte Steigerung grüner Traditionen.

8.10.06

Tod zum Diskonttarif

And Now for Something Completely Different : Nach der Vogelgrippe will uns jetzt der Lebensmitteldiskonter Hofer ans Leder. Die beliebte Bio Goldhirse geschält, 1.000 Gramm, ist mit Stechapfelsamen verunreinigt. In einer Packung wurden 17 Stechapfelsamen entdeckt. 15 Samen können nach Experten-Aussagen bereits tödlich sein. Pfui gacka. Wer weiß wo sonst noch der böse Stechapfelsamen drinnen ist. Sicher erst der Anfang. Da wird das ganze Koalitions-BrimBuri zur Nebensache.

Dem Österreich sein Volkskanzler

Das bisschen Kanzler das wir brauchen machen wir uns selbst: Österreich (Zahl der Wahlberechtigten: 1) hat entschieden, am Sonntag gab's schon Gusenbauer von Innen – nein, keine Bilder von der letzten Darmspiegelung, sondern die errte exklusive große Homestory des selbsternannten Hoffentlich-Bald- Volkskanzlers, den jetzt alle als neues Kuscheltier entdecken. Vormals war "gescheit" das schmückende Gusi-Adjektiv, was aber nichts brachte, jetzt wird geküsst, mit den Frauen in der Familie von Mama bis Tochter beraten, und bald geheiratet und dann noch mit dem anderen Ex-Ministranten Cap nach Mariazell gewa(h)lfahrtet. Wer braucht da noch eine Koalition, wenn man schon längst Fellnersche Träume hat?

7.10.06

In den Schuhen des Fischers

Alles starrt auf die drögen Immer-noch-nicht-Regierungsverhandler in Wien. Mehr Horizont, meine Herren! Mehr Tellerrand!
Zum Beispiel Rom. Unser aller Bruno Aigner mit dem Bundespräsidenten im Schlepptau hat dort dieser Tage nicht nur 27 Schlips-Geschäfte inspiziert (aber nix gefunden), sondern auch den Romano Prodi getroffen. Was unser aller Bundespräsident dort gemacht hat? Wegweisendes: Er hat sich erkundigt, wie eigentlich so eine Elfer-Koalition funktioniert. Alles klar?

Solidaritätsbekundungen

Bei einer gemeinsamen Tagung in Osaka konnten uns die Genossen und Genossinnen des örtlichen Politburos ihre volle Solidarität bekunden. Exil jederzeit möglich.

Umfaller




Bumms. Schon umgefallen der Herr Gusenbauer. Bravo. Verhandlungen ohne Vorbedingungen lässt der SP-Chef verkünden. Die Rechnung folgt ……… spätestens 2010.

6.10.06

Angst

Westenthaler auf der Straße begegnet. Lieber die Seite gewechselt. Man weiß ja nie.

Bundesbahnboykott!

ÖBB-Chef Huber zieht den Anzeigenboykott gegen vier österreichische Zeitungen zurück, die ach so schlecht über Hubers komische Operette mit Personalverkehrschefin und Ehrenamtsoperndirektorin Wilhelmine Goldmann schrieb. Vor der großen Journaille ist er in die Knie gegangen, der Huber, aber die Aufrechten trifft es weiterhin: Bis dato hat Politburo.com noch keinen Anzeigenauftrag von der Bahn bekommen, wir singen den Bundesbahnblues weiterhin gratis.

5.10.06

Vorhölle

Papst Benedikt XVI. möchte die Vorhölle abschaffen, berichtet die "Times". Der Vatikan reagiert damit überraschend schnell auf die sich abzeichnenden rot-schwarzen Koalitionsverhandlungen in Österreich. Die Abschaffung der Hölle an sich ist jedoch dem Vernehmen nach noch nicht vorgesehen. Teufel auch!

Zurückruder-WM

Österreich ist ja an sich ein Volk von Schifahrern. Aber seit neuestem sind stark die Zurückruderer am Ruder. Wir dürfen vorstellen: Der Achter mit Steuerfrau Gabi Burgstaller: Eurofighter-Ausstieg ohne Wenn und Aber? Paddel-Paddel: Das wäre doch ein Schildbürgerstreich, diese aberwitzigen Stornogebühren zu zahlen! Grundsicherung für alle? Paddel-Paddel: Ach, bloß so eine Idee! Studiengebühren abschaffen? Paddel-Paddel: Jetzt wollen wir doch wirklich keine unabdingbaren Fordungen stellen! - Wie war doch der Wahlslogan von diesem Dingsbums? Weil er sein Wort hält? Paddel-Paddel, Paddel-Paddel, Paddel-Paddel...

Doch noch entkommen (2)

Noch eine, die sich befreite: Liesl Gehrer macht die Fliege und befindet sich inzwischen an einem geheim gehaltenen Ort in intensiver Nachbetreuung, an Exklusiv- Interviews soll gearbeitet werden. Vielleicht kommt diesmal endlich Österreich zum Zug.

Doch noch entkommen

Wir Ösis sollten ein Expertenteam für die akute Trauma-Arbeit zur Verfügung stellen und der Lansky kann für die internationale Verwertung sorgen. Da kann man sicher auch für die aktuelle Lage was draus lernen.

4.10.06

Kuschelkurs

Die Koalitionsvorvorvorverhandlungen laufen besser an als gedacht. SPÖ und ÖVP sind auf Kuschelkurs unterwegs. Die Chemie passt anscheinend. Kein Wunder: noch Kanzler Wolfgang Schüssel hat es ja in der Elefantenrunde nach geschlagener Wahl schon angedeutet und sinngemäß folgende mahnenden Worte gefunden: „Im Wahlkampf wurde viel Porzellan zerschlagen, der Bevölkerung hat das gar nicht gefallen, viele haben von der Politik einen schlechten Eindruck erhalten. Wir müssen uns alle an der Nase nehmen und wieder einen ordentlichen Umgang pflegen.” Eine Kopfwäsche zur rechten Zeit, die sich Lopatka, Molterer, Gusi & Co durch die Bank zur Herzen genommen haben.

Sozialdemokraten-Fighter

Bitte, Viktor Klima war ja auch kein großes Licht. Aber einen echt geistesschwachen Kanzler hatten wir in dieser Zweiten Republik noch nicht. Doch jetzt schickt sich Alfred Gusenbauer an, die ÖVP dadurch koalitionsgefügig zu machen, indem er ihr gleich in der konstituierenden Sitzung des Nationalrats am 30. Oktober einen Eurofighter-Untersuchungsausschuss überbrät. Was für ein Mann! Was für ein Verhandlungsgeschick! Alles in der Sandkiste gelernt?

Ostküstenisraelisches Napalm

Es muss schon hart sein, nach so kurzem Wahlkampf gleich wieder mit dem Beißen aufzuhören, der Lopatka hat sich jedenfalls weiter verbissen mit bewährt antisemitischen Untertönen. Das "Napalm", das Lopatka schon vor der Wahl bei der SPÖ geortet hat, kommt von einem "US-israelischen Team". Quasi Ostküste zum Quadrat: Gleich direkt aus Israel, und natürlich das ganze Gesocks von der SPÖ ins Land eingeschleppt. Wahnsinn, über soviel Antisemitismus sind sogar die Blauen hellauf entsetzt

Pez rules


Wahlen oder nicht, in Tokio ist Österreich jedenfalls noch Kulturgroßmacht: Pez International Rules!

3.10.06

Da capo

Lopatka gibt nicht auf. Er bloggt und bloggt und bloggt … Eigentlich sollte sein Wahlblog am 1. Oktober enden. Unvorhersehbare Umstände machen es aber notwendig, dass Reinhold jetzt in eigener Sache werben muss. „Die herbe Enttäuschung ist auch am Tag danach geblieben", schreibt er verbittert. OK, in den letzten Jahren wurden ein paar Wahlen in den Sand gesetzt. Aber Schuld daran kann ihm da wirklich keiner geben. „ Es ist in den nächsten Tagen und Wochen entscheidend, dass wir gemeinsam die richtigen Schlüsse aus dem Ergebnis der Nationalratswahl ziehen und keine unüberlegten Schnellschüsse machen. Vorschnelle Koalitionsansagen, öffentliche Personaldiskussionen und Schuldzuschreibungen aus dem Bauch heraus sind kontraproduktiv und hindern einen guten Neubeginn.“ Ihr Wort in Schüssel Ohr. Der Ex-Kanzler ist angeblich gar nicht so gut auf Sie zu sprechen, wie man aus der ÖVP-Parteizentrale hört. Aber vielleicht ist das nur ein Schnellschuss und die Sache mit den acht Prozent minus und dem verlorenen Kanzlerposten legt sich baldigst wieder.

Wahl Lehre

Vermeiden Sie es tunlichst, sich mit einem fünf jährigem Vorschulkind gemeinsam in eine Wahlkabine zu begeben. Das Wahlgeheimnis ist für immer futsch. Das erste was er tut, er läuft in die Nachbarkabine und schreit, dass es im Umkreis von 100 Metern wirklich alle hören: „Ha die Mama wählt das gleiche wie der Papa.” Als vorbildlicher Papa, darf der Sohnemann natürlich das Kuvert in die Urne werfen. Kaum erledigt sieht er seinen Kindergartenfreund und brüllt durchs ganze Wahllokal: „Hallo Felix wählt dein Papa auch die ........? Meine Mama wählt die auch.” Die Eltern des Freundes, sonst nie einem kleinem Tratsch abgeneigt, nicken uns beschämt zu, senken ihren Blick und ziehen ihren Kind schnell aus unserer Richtung weg. Der Sohn muss jetzt natürlich noch lauter schreien: „Die ………… sind die Blöden. Und die Blauen sind noch blöder hat man mein Papa gesagt.” Jetzt senken wir den Blick zum Boden und bannen uns den Weg durch ein Hass erfülltes Spalier Richtung Ausgang. Wahrscheinlich müssen wir jetzt umziehen.

Frau Minister, Herr Bundeskanzler

Auch wenn das mit der roten Kanzlerschaft noch nicht ganz geritzt ist: Eine SPÖ-Politikerin ist schon Frau Minister. Die Leiterin der SPÖ-Zukunftswerkstätte hat an ihrer persönlichen Zukunft gewerkt und ist mit Ferdinand Lacina zusammen gezogen. Steht in jeder Zeitung. Beim Greißler in Wien wird so was glatt mit einem "G´schamster Diener, Frau Minister" quittiert. Also, Gusi, wenn alle Stricke reißen: Gigi anbaggern!

Nach der Wahl ist vor der Wahl 2

Man muss nicht schwarz sehen, um nicht Rot-Schwarz zu sehen. Die ÖVP unter Schock, beleidigt und - wie heute im Parteivorstand der steirischen Landespartei - mit überwältigender Mehrheit für den Gang in die Opposition. Und auf der anderen Seite die rote Anfängerpartie, die gerade gekonnt vorzeigt, wie man einem Verhandlungspartner NICHT entgegen kommt, wie man KEIN gedeihliches Verhandlungsklima schafft, wie man KEINEN Koalitionspartner einfängt. Kurzum: An den Februar- und März-Sonntagen nix vornehmen! Man könnte ja schon wieder zu den Urnen gerufen werden.

Orange Feiern, blaue Flecken

Handgreiflich soll ja früher auch der Rumpold (Haiders "Mann fürs Grobe") immer wieder geworden sein, ehe aus dem Blauen ein Oranger wurde. Die miese Tradition scheint sich fortzusetzen, Sonntagnacht soll bei der Überlebensfeier der Orangen in Simmering der Pressesprecher der dissidenten Justizministerin seine Watschen ausgefasst haben, schreibt der Standard. Die neue Opposition übt offenbar schon den schlechten Stil, nicht nur verbal. Wohl im Angedenken an die AbgordnetePrackPraxmarer, die gegen den Grünen Anschober handgreiflich wurdeals ihr die Argumente ausgingen.

Das Undenkbare vordenken

Die Vordenker der steirischen ÖVP -- in Person von Hoffentlich-Bald-Ex-Minister Barteinstein schon einer der "Architekten" der letzten schwarz-blauen Regierung -- denken das, was "nahezu undenkbar ist", nämlich eine Koalition mit FPÖ und BZÖ einzugehen. Immerhin dürfe man "hunderttausende Wähler nicht ausgrenzen", sorgt sich der oberste steirische Schwarte Hermann Schützenhöfer. Das haben wir schon mal gehört, und wie es ausgegangen ist ist bekannt. 

Liebe

Alle lieben Gusenbauer und haben es schon immer gewusst, dass aus dem Sandkisten- irgendwann auch ein echter Bundeskanzler wird. Den Boden in Moskau abknutschen – noch nie gehört, schiaches Outfit wie knallenge Radlerhose oder rote Aktentaschen – wäre uns nicht aufgefallen, Champagner trinken mit dem Feind – Schnee von gestern, Schweißperlen auf der Oberlippe – schaut doch süß aus.

Hoffentlich klappt das jetzt wirklich mit dem Kanzler, weil schwarz/orange/blau ist noch nicht aus der Welt. Also die Sache nicht vergeigen lieber Herr Gusenbauer, weil sonst mag Sie außer der Mama wieder keiner mehr.

Schüssels Opposition (2)

Es fängt so an, wie es (aus schwarzer Sicht) anfangen muss: "Wer mit uns zusammenarbeiten will sollte uns ernst nehmen", richtete Schüssel gleich nach dem Parteivorstand am Montag abend der SPÖ aus. Soll heißen: Koalition nur zu unseren Bedingungen. So spricht ein Mann, der Optionen hat, im Gegensatz zu einem Wahlsieger, der keine Option außer dieser hat. Schwarz-Blau-Orange: Alles nur eine Frage der richtigen Deutung des Ergebnisses, oder?

Also werden jetzt fleißig Knackpunkte gesammelt, an denen rot-schwarze Verhandlungen scheitern könnten, nur um dann – bewährtes Replay von 2000 – Gusenbauers fehlende Mehrheit vorzuführen und im stillen Kämmerlein an der blau-orangen Versöhnung und Neuauflage der alten Koalition zu basteln. Eurofighter? Da kann man jetzt nicht mehr zurück. Studiengebühren? Gesamtschule? Weitere Privatisierungen? Reichensteuer? Nicht mit Schüssel.

Blöde Sache, das für die SPÖ: EIne Wahl gewonnen, die Verhandlungen verloren? Da wär's einfacher gewesen, die Schwarzen hätten die Nase vorn gehabt und die Roten somit einen Grund, ein paar Federn zu lassen. Oder tauschen wir jetzt ein eigenständiges Frauen- und Kulturministerium gegen all die harten Punkte, Herr Gusenbauer? Ach, und noch was: "Ich will ein Volkskanzler sein wie Bruno Kreisky": Wer mit solchen Sprüchen in Verhandlungen mit dem Schüssel geht kommt am Ende leicht wieder in der Sandkiste an.

Grüner Palawatsch

Also, wenn sich dann die freudige Erregung bei den Grünen über das beste Wahlergebnis ihrer 20-jährigen Nationalratsgeschichte wieder ein bissl gelegt hat und der 10-Prozent-Rausch ausgeschlafen ist wird der Kater einsetzen. Weil die Grünen haben jetzt einen echten Palawatsch beinand: Mehr Abgeordnete als je zuvor, aber eigentlich sind sie zu nichts gut.

Jetzt meinen wir nicht nicht die durchwegs netten Personen, sondern die Stimmenzahl: Zehn Prozent, aber wohin damit? Mit den Schwarzen geht's nimmer, mit den Roten ging's sowieso noch nie, und in einem Parlament mit fünf Parteien gibt's das Zünglein an der Waage so gut wie nicht mehr.

Das ist natürlich bitter, weil eine Partei, die's schon so lang gibt und mit einer solche respektablen Größe muss irgendwann zeigen, dass sie mehr drauf hat als nur immer Nein zu sagen, was die naturgegebene Rolle der Opposition ist, das Haar in der Suppe zu finden. Sie muss zeigen, dass sie auch im Regieren was umsetzen kann, sonst wird's für das P.T. Wahlpublikum öd und sie laufen wo anders hin.

Jetzt wird der Reflex der Grünen sein, sich links von der SPÖ anzusiedeln, und das ist genau verkehrt rum: Denn linke Mehrheiten gabs in diesem Land nur zwischen 1970 und 1983 unter der großbürgerlicher Obhut mit Bruno Kreisky. Ansonst ist die Mehrheit immer rechts von der Mitte gewesen, auch nach dieser Wahl.

Um Stimmen bis zum nächsten Mal zuzulegen, um irgendwann wieder der Mehrheitsbringer für beide Großparteien sein zu können, bräuchten jetzt die Grünen eine Kreiskysche Verbürgerlichung: Dann könnten auch "die ein Stück des Weges" mitgehen, die keine rotrote Koalition, sondern eben so ein bissl bürgerliche Öko-Kontrolle haben wollen; und wenn es dann doch schwarz-grün werden soll, dann wär wohl noch genug linkes Denken in den Genen, um auch eine schwarzschwarze Republik zu verhindern. Halten's das so lang durch, Herr Van der Bellen?

2.10.06

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Wahlen sind geschlagen, jetzt sind noch ein paar Tage die Motivforscher am Werk, dann gibts eine Neuauflage von Rot/Schwarz mit einem Vizekanzler Molterer. Fertig. Die nächste Abstimmung steht uns 2010 ins Haus. Bis dahin wird sich das BZÖ wieder mit den Freiheitlichen zusammen tun, Van der Bellen geht in Rente und Schüssel macht in Brüssel den dicken Maxe. Die Prognosen für den Wahlgang 2010: SPÖ: 33 % (der Eurofighter kommt doch), ÖVP: 33 % (Molterer mag man nicht), FPÖ/BZÖ: 20 % (gemeinsam auf Ausländer eindreschen macht sich doppelt bezahlt), Grüne: 9 % (van der Bellen mag man eben), der Rest geht einfach nicht mehr wählen.

Wenn Schüssel an Opposition denkt...

...dann klingt das wie eine gefährliche Reminiszenz. Da war noch diese kleine Hintertür in der Elefantenrunde nach der Wahl am Sonntag abend: Da konnte sich der Bald-Ex-Kanzler auch vorstellen, in die Opposition zu gehen. So wie er doch seinerzeit im Jahr 1999 in die Opposition gehen wollte, wenn er Dritter wird. Diese Form der Opposition stellte sich dann als eine der restlichen EU gegen das schwarz-blaue Österreich heraus.

Was also wäre Schüssels Oppositions-Version, 2006 Edition? Er fügt sich nicht als Junior in einer SP-geführte Koalition und geht ins oppositionelle Trotzwinkerl – womit er die SPÖ ohne Option lässt, weil rot-grün keine Mehrheit hat. Weil ja einer regieren muss (Diktion 1999/2000), findet sich Schüssel letztendlich doch großmütig bereit, sich eine Schwarz-Blau-Orange Ampel anzutun. Klingt ja weit hergeholt, aber auch nicht weiter als dass einer Kanzler wird, der grad mal weniger als 27 Prozent der Stimmen hat.

Bye Bye HP Martin

Der sparsame Vorarlberger zieht nicht ins Parlament ein. Unfroh dürfte er darüber nicht sein. In Brüssel kann er im Prinzip tun und lassen was er will - in Wien würde das mit der Zeit auffallen, das er eigentlich nichts tut. In zwei Jahren, nach Ende seiner Amtszeit, winkt eine fette EU-Pension. Also warum sich diesen Schwachsinn antun. Für seine gestrige ORF-Wahlanalyse muss man ihm aber danken. Der Aufruf an SPÖ und ÖVP „nicht mit den Rassisten von BZÖ und FPÖ” zu koalieren hatte schon was.

Flach liegen

Schon wieder eine Wahl, die von der ÖVP wegen der linken Emanzen verloren wurde: Erst der Bundespräsident, jetzt der Kanzler, und hat nicht auch die linke Emanze Gheneff von den Orangen für die Regenbogenkoalition mit dem Wrabetz gestimmt. Es ist wirklich zum flachliegen, oder heißt das schieflachen?

1.10.06

Gerechtigkeit

Wenn es ein, zwei oder drei Götter da oben gibt, müsste das BZÖ eigentlich morgen aus dem Parlament fliegen. Auf die Wahlkarten kommt es an. Das stimmt zuversichtlich. Einem durchschnittlichen BZÖ-Wähler fehlt höchst wahrscheinlich die Intelligenz eine Wahlkarte richtig auszufüllen. Also bitte Daumen drücken

Vom Schüssel zum Tschüssel

Das ging aber ins Auge. Unser Hans-Peter Martin sitzt schon wieder im Flieger nach Brüssel (Spesenbelege aufheben nicht vergessen), und unser Herr Bald-Ex-Kanzler kann sich heut abend ausschweigen, warum die Schwarzen trotz einer SPÖ im "roten Sumpf" nicht an der Oberfläche geblieben sind sondern so richtig untergingen.

So wird aus dem Schüssel ein Tschüssel, es war ja ganz nett, bleibt immer noch ein Posten als EU-Sondervermittler oder so was. Der Gusi wird jetzt schon dran arbeiten, dass sein "Ich bin der Meinung" ein bissl langsamer und sonorer daherkommt als in den TV-Debatten, und im Bundeskanzleramt werden sie die schönen Tribüne für den Schwarz-Blau-Orangen Paarlauf nach dem Ministerrat zurück ins Requisitendepot schicken, zum Glück is ja net weit zum Burgtheater. Weil das Bad in der Journalistenmenge in seligem Gedenken an Bruno, nach all diesen mageren Jahren, das wird ihm schon gefallen. Ja und der Pröll wird jetzt auch noch nach oben schwimmen: Vom Lebensminister zum Vizekanzler, macht doch echt was her.

Nur die Grünen, die Grünen... das wird nix mehr. Jetzt geht der van der Bellen in die Pensi, und dann?

Wahlbeobachter



Das Politburo hat gewählt. Schön zu sehen, wie sich die Menschen für diesen Event extra fesch machen. Wie bei der Firmung schauen viele aus. Geschneutzt, gekampelt und mit geputzten Schuhen.