30.11.06

Bullen, die die Pferde wechseln

Grasser, weiterhin Finanzminister! Grasser, der neue ÖVP-Obmann! Grasser, der nächste Spitzenkandidat! - Aus, aus, alles vorbei. Dead Kristallerbinnengatte walking. Woher wir das so genau wissen? Nun, in der Beamtenrepublik Österreich gibt es nur einen einzigen wirklich verlässlichen Seismographen für politische Veränderungen, und das ist die Loyalität der Spitzenbeamten.
Sieben Jahre lang haben die roten Mandarine im Finanzministerium dem Kärntner Parvenü treu gedient, gleich nach der Wende wurden sie per "Lieber Karl-Heinz" mit ihm, keine Fünf-Euro-Note passte zwischen KHG und die Hochbürokratie in der Himmelpfortgasse. Bis jetzt. Jetzt merkte der rote Bulle an der Spitze der Budgetsektion, dass ein anderer Wind weht, dass es Zeit ist, die Pferde zu wechseln (so weit das für einen Bullen halt möglich ist): Kleines Indiskretionerl, kleine E-Mail-Weitergabe an Peter Pilz - und schon ist der Minister erledigt.
Der praktisch gepackte Koffer wehrt sich noch mit einer Disziplinaranzeige. Lächerlich. Das applaniert der neue, dankbare Herr an der Himmelpforte in der ersten Amtsstunde. Und da wundert sich der Steuerzahler noch, dass es keine Regierung seit 20 Jahren schafft, die Pragmatisierung der Beamten anzuschaffen?

Sensation: Fellner rettet Nikolo

Na, wer sagt’s denn. Österreich hat den Nikolo gerettet. Bravo. Für Superhero Wolfgang Fellner natürlich eine leichte Übung. Da hat er schon dickere Brocken erledigt. Ein paar Zeilen und schon zittern die da im Rathaus. Der alte Dichand kann sich jetzt bald schleichen. Was der Fellner mit seiner Kolumne bewirkt, schafft der Alte nicht einmal mit einer fetten Cover-Schlagzeile. Kein Wunder, dass sich Superhero Wolfgang Fellner heute loben muss. Wie immer bleibt er da ganz bescheiden: „ Der ÖSTERREICH-Bericht löste gestern unglaublich viele Reaktionen aus: In der Redaktion, im Rathaus, bei Eltern und Betreuern. Wir äußerten gestern an dieser Stelle die Hoffnung, dass Polit-Krampus Häupl seiner Stadträtin die Rute ins Fenster stellen möge. So geschah es. Es kann nächste Woche also fröhliche Nikolo-Besuche in Wiens Kindergärten geben. Es wird Geschenke auch für muslimische Kinder geben.“

Wir sagen: DANKE Wolfgang! DANKE Wolfgang! DANKE Wolfgang!

29.11.06

Hump-Dump

Die FPÖ hat wieder einmal tief in ihren Fundus an qualifizierter Personalreserve gegriffen, die mit großer Verlässlichkeit solche Kaliber hervorbringt wie Dobermann Stadler oder den Neo-Abgeordneten Zanger, der an das Gute selbst beim NS-Regime glaubt, oder Umvolker Mölzer. Jetzt also, frisch aus der Versenkung: Hump-Dump Hilmar Kabas. Sieben Monate darf der Mann, der einst von UHBP Klestil von der blauen Ministerliste gestrichen wurde, jetzt statt Stadler den so genannten "Volksanwalt" abgeben, sind da eigentlich Pensionsansprüche mit verbunden?

Wurscht, für die jüngeren Genossen unter unserer treuer Leserschaft wollen wir Kabas in Erinnerung rufen: "Er hat sich wie ein Lump benommen, und es ist eine Schande, dass wir so einen Präsidenten haben." Sprach Kabas zu später Stunde auf einem FP-Parteitag, aber war dann natürlich alles ganz anders, "Hump" oder "Dump" oder so was ähnliches habe er gesagt. Humpty-Dumpty Goggelmoggel zu Ehren diese kleine Eloge aus längst vergessenen Zeiten. Was werden wir jetzt wieder zu lachen haben!

Staatsaffäre

Rache

Während man den armen inländischen Kindern den Nikolo stanzt, wird parallel dazu den ausländischen Babys das Kindergeld gekappt. Hier einen Zusammenhang , Marke die Pro-Nikolo-Regierung BZÖ und ÖVP rächt sich an der Wiener Anti-Nikolo Sozi Fraktion, auszumachen, dürfte auch sehr Phantasie begabten Zeitgenossen nur sehr schwer fallen. Aber: hätte man sich bis vor kurzem noch vorstellen können, dass der Pressesprecher des Finanzministers in seiner Dienstzeit auch PR-Termine für die Glitzer-Gattin organisiert, oder dass Hilmar Kabas als Volksanwalt nominiert wird? Eben.

Danke Österreich

Österreich rettet den Nikolo. Wolfgang Fellner höchst persönlich nimmt die Sache in die Hand. Ein Klax für den besten Herausgeber aller Zeiten. Nur mal so zur Erinnerung: Wer brachte die Koalitionsverhandlungen wieder auf Schiene? Oder wer hat am Wochenende Karl Heinz Grasser zum Finanzminister gemacht? Eben. Mit dieser Performance und der Power von mehr als 10 Millionen Lesern im Rücken, wird Fellner wohl auch noch den Nikolo wieder hin kriegen. In seiner heutigen Kolumne „Das sagt Österreich“ (wieso heißt das eigentlich nicht „Das sagt die Welt“, oder „Das sagt die Sonne“? spricht Fellner Tacheles: „Irgendwo muss auch noch so gut gemeinte „political correctness“ ihr Ende haben.“ Der Bürgermeister, der laut Fellner ab und an als „Polit-Krampus“ durch die Gegend poltert, soll der wild gewordenen Stadträtin Grete Laska, die diesen Unsinn verordnet hat, gefälligst „die Rute ins Fenster“ stellen. „Wiens Kinder würden ihm Danke sagen………”

28.11.06

Aber hallo, Österreich!

Arme Uschi Fellner. "Wenn ich nicht vor meinem Computer sitze, in Besprechungen sitze, bei Terminen sitze, vor, auf, unter oder neben meinem Schreibtisch sitze, je nachdem was oben liegt, im Auto sitze, erledigt auf dem Teppich sitze, überlebensnotwendige Dinge besorge oder endlich wie ohnmächtig schlafe, dann kümmere ich mich um Geburtstage." Wie soll da noch eine anständige Zeitung fertig werden?

Pflegefall Swarovski-Grasser

Unser aufmerksamer Leser Georg hat uns schon gestern abend darauf aufmerksam gemacht, dass unser KHG Pressesprecher (der Vollständigkeit halber: Manfred Lepuschitz, damit wir uns an den Namen erinnern wenn er bei der nächsten Postenrochade wieder auftaucht) freundlicherweise auch Gelegenheitsarbeiten für die Frau Gemahlin übernimmt, "dann und wann" und in der Freizeit natürlich, und der Herr Minister zahlt das selbstverständlich auch wenn's anfällt.

Entzückend, wie KHG mit seinem kleinen Ministersalär für Fionas Imagepflege sorgt, quasi Kristallluder polieren. Steuerrechtlich und sonst wird das ja kein Problem sein, seit wir die billigen Pflegekräfte für Familien legalisiert haben. Und wenn man so in die Zeitungen schaut: Alles schon wieder vergeben und vergessen, was ist das auch gegen Spenden von der Industriellenvereinigung für die Pflege einer Homepage.

Erhobenen Hauptes

HC Man Strache hat heute keinen guten Tag. Diese Nikolo-Geschichte liegt ihm noch schwer im Magen und jetzt haut ihm auch noch der Papst das Hackl ins Kreuz. Am Vormittag hat er den Heiligen Vater noch wissen lassen, dass er ruhig erhobenen Hauptes in die Türkei reisen kann, weil er sich absolut nichts vorzuwerfen hat. Und was tut dieser undankbare Pfaffe? „Wir wollen, dass die Türkei Teil der EU ist", soll er bei seiner Ankunft zum türkischen Premier Erdogan gesagt haben.

Als der Benni noch Ratzinger hieß, wollte er davon noch nichts wissen.

Warst du auch brav

In den Wiener Kindergärtnern haben in diesem Jahr Nikolo und Krampus Hausverbot. Das Schema "Bin ich brav, oder werde ich bestraft" sei nicht mehr zeitgemäß, sagte eine Sprecherin von Jugendstadträtin Grete Laska. In vorauseilendem Gehorsam wurde auch betont, dass die Abschaffung des Nikolaus nicht aus Rücksicht auf Kinder mit nicht-christlichem Glauben erfolgte.

HC Strache und seine FPÖ-Mannen lassen sich da natürlich nichts vorgaukeln. Die wahren Hintergründe sind längst ausgemacht. Wenn es um den Nikolo geht, hört sich der Spaß auf. Das Vorschieben pädagogischer Gründe für die Nikolaus-Abschaffung sei nur eine "Schutzbehauptung", lassen die Freiheitlichen ausrichten. Man habe wiederholt auf den Skandal hingewiesen, dass in einzelnen Einrichtungen wegen muslimischen Kindern keine Nikolaus-Feiern mehr stattfänden.

HC Strache ist empört und besorgt und malt den Teufel an die Wand: „Die Abschaffung des Nikolaus überschreite "die Grenze zur Absurdität”. Den Kindern werden die letzten Sinnbilder und Orientierungsmuster geraubt. Es bleibe zu hoffen, dass die Generation an der neuen Pädagogik nicht völlig zerbricht.”

27.11.06

Scheitelpunkte

Karl-Heinz Grasser ist noch längst nicht am Zenit - also Scheitelpunkt - seiner Karriere angelangt. Sicher nicht. Heute etwa beeindruckte er den Banken-Untersuchungsausschuss derart, dass man sich erst nach dreieinhalb Stunden wieder von ihm trennen konnte. Was auf ganz besondere Resonanz stieß: Der Finanzminister trägt plötzlich nicht mehr Mittelscheitel, sondern Seitenscheitel (und zwar links). Nach Auskunft erfahrener Scheitologen nähert er sich damit immer mehr dem Aussehen seines Leider-kaum-Bekannten Julius Meinl V. an. Dem Vernehmen nach möchte die ÖVP-Zukunftshoffnung daher ab sofort Karl-Heinz Grasser I. genannt werden. Wer es nicht tut, muss Scheitel-Knien.

Ad Papst in der Türkei

Der Papst macht auf Sightseeing in der Türkei, was die sonst so gastfreundlichen Türken gar nicht so gerne sehen. Fast schon vergessen: auch Johannes Paul II reiste an den Bosporus. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger, wurde er dort ordentlich empfangen. Und dass obwohl er sich bei seinem Besuch der Hagia Sofia (früher Kirche, jetzt Moschee) angeblich eine üble Finte erlaubt haben soll. Ganz unabsichtlich soll ihm im Gebäude die Kappe vom Kopf auf den Boden gefallen sein. Als er sich danach bückte, sah es fast so aus – zumindest wird das so überliefert - wie wenn er sich vor dem Altar niederknien und bekreuzigen würde. Ein vifer Bursche war das der selige Papst.

25.11.06

Wenn Kapitalisten richtige Visionen haben

Neuerdings ist da plötzlich ein Wettlauf um die Grundsicherung ausgebrochen als ob jetzt gar ernsthaft Probleme gelöst werden sollten. Obwohl die Schwarzen in der ersten Runde der KapitulationsKoalitionsverhandlungen mit den Roten gar nimmer weiterreden wollten, weil die plötzlich irgendein Grundsicherungspapier aus der roten Tasche vom Gusi gezogen haben. Jetzt schlägt das abgehalfterte Imperium zurück mit einem GrundExistenzsicherungsmodell Marke Bartenstein, dem offenbar plötzlich eingefallen ist dass er schon immer ein Faible für die Armen im Lande hatte. Schaut ungefähr so aus wie bei das rote Modell, von dem er auch noch stolz zu Protokoll gibt dass er es nicht kennt, nur dass halt 700 dort steht, wo bei der SPÖ 800 steht, na und natürlich muss irgendwo auch drinn sein, dass nur "arbeitswillige" Arme gesichert werden, wo kämen wir sonst hin. Wahrscheinlich könnte man in den Verhandlungen noch einen ministeriellen Schuhrabatt für alle rausholen, aber dann aus.

Dass Kapitalisten auch Visionen haben können zeigt unserem kleinen Pharmaunternehmer mit einem ministeriellen Existenzsicherungsjob ein Drogist.Der dm-Marktgründer Götz Werner geht mit seiner schon vor längerem im brand eins veröffentlichtem Interview auf ein Grundproblem der Grundexistenzsicherung ein: Wer würde einen schlechtbezahlten (und nehmen wir an: nicht besonders interessanten) Job annehmen, der gleichviel bringt als eine Grundsicherung? Seine radikale Lösung: Viele, wenn sie trotzdem ihre Grundsicherung behalten können. Natürlich gehört zu der Idee noch ein ganzer Rattenschwanz an anderen, u.a. mit welchem Steuersystem dass dann zu finanzieren wäre und warum überhaupt noch jemand arbeiten würde, wenn es ohnedies monatlich (ein bisschen) Kohle aufs Konto gibt, aber das kann man ja alles nachlesen. So schaut's also aus wenn Kapitalisten richtige Visionen haben.

24.11.06

Starker Mann

Laut einer Studie der Universität Leipzig wünschen sich 15 Prozent der Deutschen einen „Führer, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert”. Wie schaut das aus, wenn man diese Untersuchung auf Österreich ummünzt: 11 Prozent FPÖ, 4 Prozent BZÖ sind schon mal 15 Prozent. Das packen wir also locker. Dazu ein paar Altnazis aus der SPÖ gibt schon 18 Prozent. Plus die „Lost Generation” - also alle die nach der Hauptschule nicht lesen, schreiben und rechnen können und die keiner haben will. Das sind dann noch einmal rund 10 Prozent dazu. Macht laut Adam Riese also satte 28 Prozent.

Katholischer Kondomgebrauch II

Kein Wunder, dass es dem Bischof Krenn so schlecht gehen tut. Diese Kondomgeschichte wird ihm hoffentlich verheimlicht. Das würde ihn noch mehr aufregen. Diese liberalen Strömungen sind natürlich kompletter Unfug. Schuster bleib bei deinen Leisten. Wie es geht hat der Papst mit seinem Islam-Zitat ja schon eindrucksvoll vorgezeigt. So gehört sich das. Das erwarten wir von einer Hardcore-Kirche und nicht so eine WischiWaschi vielleicht oder vielleicht auch nicht Politik. Aber den Jungs im Vatikan ist anscheinden fad. Hat schon jemand den Ewald Stadler zu dieser Cause befragt. Dem wird das aber gar nicht taugen.

Berechnungshof

Gemach, gemach! Oder besser gesagt: Ungemach, ungemach! Ehe uns dieser H. Schmidt (sagen Sie, war der nicht mal Kanzler von Deutschland?) den Sitz im Politbüro streitig macht, wollen wir auch noch was sagen. Nämlich was das Gegenteil von diesem Rotzlöffel H. Schmidt ist. Nämlich der Rechnungshof.
Während H. Schmidt sagt, was sein Gegenüber bis ans Lebensende ärgert, sagt der Rechnungshof, was seine Gegenüber bis ans Lebensende erfreut. Und zwar jeden einzelnen. Zum Beispiel gestern: Da veröffentlichte der Rechnungshof seinen Prüfbericht über die Eurofighter-Gegengeschäfte. Und was geschah? Die ÖVP fühlte sich bestätigt, die SPÖ fühlte sich bestätigt, die FPÖ fühlte sich bestätigt, die Grünen fühlten sich bestätigt und das BZÖ fühlte sich bestätigt.
Ist das nicht schön? Gerade in der Vorweihnachtszeit?

Null Hemmschwelle

"Ich habe eine wirkliche Begabung. Ich merke sehr schnell, was jemand echt verletzt. Das kann ich, das ist ja auch mein Beruf. Das ist ein unglaubliches Gefühl wenn einem sozusagen in einem Bruchteil einer Sekunde der Satz einfällt, der den anderen trifft bis ans Ende. Dieser Satz muss dann raus. Mittlerweile sinkt die Hemmschwelle gegen null." Bekenntnisse eines Koalitionsverhandlers? Nee, wunderbares Interview mit Harald Schmidt in der Zeit. Herr Schmidt, wir kooptieren Sie gern – nur immer raus mit den Sätzen!

23.11.06

Katholischer Kondomgebrauch

Das wir das noch erleben dürfen: Jetzt ist auch die katholische Kirche für Kondome. Angeblich wegen Aids in Afrika, was auch den Priesternachwuchs gefährden könnte, aber vielleicht wachsen der Kirche ja auch die Zahlungen für die vielen Pfarrerskinder langsam über den Kopf, quasi Sparprogramm. Auf jeden Fall gibts jetzt bald ein eigenes Manual für den katholisch korrekten Gebrauch der Gummis, woher soll ein anständiger Kathole auch wissen, wie er seinem Hütchen ein Zipfelchen überzieht. Ein Prüfpickerl wär auch ein Hit: KKK, katholisch kompatibles Kondom.

Hoppala!

"Wir sind einen Schritt weiter", hat unser schwarzer Sympathieträger Fritz Neubauer laut Österreich gestern abend noch gesagt, heute wissen wir: Näher beim Abgrund. Dabei haben die Roten schon so brav geübt: Eurofighter, Studiengebühr, vielleicht alles nicht so schlimm, und der Herr Fellner findet Gusenbauer und Grasser schon eine spannende Kombination und hat ihm die Position des Vizekanzlers von "Österreich" angeboten, quasi Kostümprobe für das richtige Ö. Aber jetzt das: Ein kleines Papierl vom Verfassungsdienst, von dem Wolfgang dem Alfred beim großen Versöhnungsgespräch nix gesagt hat, und: BUMM! Zurück in den Kühlschrank mit den KapitulationsKoalitionsverhandlungen.

Rebellen im Netz

Gute Spiegel Geschichte!

22.11.06

Große Weltverbesserungskoalition

Studiengebühren, Ganztagsschule, Grundsicherung, Eurofighter, Finanzminister-Besetzung? Kinderkram, dafür braucht man doch keine große Koalition nicht, deckt Noch-immer-Kanzler Wolfgang Schüssel (im Interview mit den Salzburger Nachrichten) auf. Drum hat man offenbar auch die Verhandlungen zwischenzeitlich aufs Eis gelegt, bis auch den Roten endlich klar wurde, worum es wirklich geht: "Klimawandel, die dramatischen Verschiebungen in der globalen Wirtschaft. Oder die Frage der Armutsbekämpfung" -- ah, doch Grundsicherung? Nee, nicht bei uns, -- "vor allem in Afrika. Das sind die wirklich spannenden Themen für eine Zusammenarbeit von Christdemokraten und Sozialdemokraten... Wir müssen den Anspruch an uns einfach höher schrauben." Da wirds wohl noch ein bissl länger dauern, bis das in ein Regierungsprogramm gegossen ist. Aber immerhin: Dann ist die Welt gerettet!

Strahlemann

Der Peppi Pröll strahlt derzeit mit der Weihnachtsbeleuchtung auf der Mariahilferstraße um die Wette. Im gestrigen Report war er aber so was von Stolz als ihn Möbelpacker Gerhard Jelinek fragte, ob er denn der nächste Finanzminister werden wird. Der Peppi winkte, bescheiden wie er ist, natürlich ab. Dabei lachte er ganz verschmitzt, wurde ein bissal rot im Gesicht und wuchs ein paar Zentimeter.

Abgeschleppt

Schüssels Privatauto (übrigens ein VW Beetle) wurde gestern in Wien-Hietzing abgeschleppt, berichtet der ORF. Und das, obwohl der Kanzler gar nicht falsch geparkt hat. Sondern nur so. Trotzdem habe Schüssel das Abhandenkommen seiner Schüssel mit Humor genommen, weiß der ORF. Kein Wunder: Heute wird der ÖVP-Chef mitsamt seiner Partei abgeschleppt. Sie wissen eh: Kranwagenunternehmen Gusi - "Sorry, wir sind im Dienste der Allgemeinheit unterwegs!"

21.11.06

Finanz Peppi

Peppi Pröll wird als neuer Finanzminister gehandelt. Was befähigt diesen Mann dazu? OK, nach Karl Heinz Grasser ist das jetzt vielleicht die falsche Frage. Aber beim Peppi und der Hochfinanz schaut es noch finsterer aus. Weil der Karli Grasser musste im Autohaus des Papas zumindest ab und an den Fuhrpark zählen. In Hollabrunn ist der Peppi ins Gymnasium gegangen, dann hat er auf der Boku studiert, später ist er als Referent zum Bauernbund gewechselt. Als Finanzgenie ist der Peppi dabei nicht aufgefallen. Aber vielleicht nimmt sich der Peppi ein Beispiel an Sissy Mayerhoffer. Laut aktuellem Trend absolviert die designierte kaufmännische Direktorin des ORF gerade eine Crashkurs in Betriebswirtschaft. Da lernt die Sissy in den nächsten Wochen alles was man halt so braucht im Job: Rechnungswesen, Organisation aber auch Finanzierung. Ahnungslos ist die Sissy deshalb noch lange nicht: „In der Schule habe ich BWL gehabt und in diesem Fach sogar maturiert.” Das stimmt zuversichtlich. Mengenlehre, Bruchrechnen und Prozentrechnen stand beim Peppi auch am Stundenplan. Den Rest zeigt ihm sicher der Finz Peppi.

20.11.06

Raum und Zeit

Was haben die österreichischen Kicker und das Parlament in Wien gemeinsam? Richtig: Es hapert an der Raumaufteilung. Teamchef Josef Hickersberger hat es ja immer schon gesagt und jetzt sagt es auch Parlamentschefin Babsi Prammer. Nämlich müssen die 8000 Quadratmeter Büroräume im Hohen Haus entsprechend dem Wahlergebnis neu auf die Parteien aufgeteilt werden. Und obwohl jetzt wirklich lange Zeit über die Raumfrage verhandelt wurde, streiten vor allem Blau und Orange immer noch. Grund: Das BZÖ hat die alte Spannocchi-Doktrin aus den 70er Jahren ausgegraben und setzt voll auf das Konzept der Raumverteidigung. Doch Babsi Prammer kommt als neue Nationalratspräsidentin jetzt langsam voll in Raum-Fahrt und will morgen ein Machtwort sprechen. Wir können ihr dabei nur raten, sich an die berühmte Maxime von Kollegen Hickersberger zu halten: Es gilt, die Räume eng zu machen!

Grasser aus dem Spiel

Grasser soll aus dem Spiel genommen werden. Freund Lopatka meint, KHG sei kein Muss. Vor ein paar Tagen wollte man ihm noch die Kapitänsschleife umhängen und jetzt wird er vorzeitig in die Kabine geschickt. Foul am eigenen Mitspieler nennt man das wohl. So schnell kann es gehen. Der arme Mann, das Volk wird ihn missen. Wer sonst soll uns die nächsten Jahre mit lustigem Schabernack erfreuen. Nachfolger ist da keiner in Sicht.

19.11.06

Mubarak

Da soll sich der Wolfi Schüssel ein Beispiel nehmen. Ägyptens Staatschef Husni Mubarak weiß wie es geht. Bis zu seinem Tod will er die Geschicke des Landes lenken. "Ich werde dieses Land weiter in die Zukunft führen und dafür die Verantwortung und die Lasten tragen, solange ein Herz in meiner Brust schlägt und ich atme", sagte der 78-Jährige heute bei einer Ansprache im Parlament.

18.11.06

Neue sympathische Gesichter (4)



Chefe bleibt Chefe. Da wollte der eine mit Bart und Brille seinem Chefe zeigen, wie man mit Vertrauen in einen Verhandlungsneubeginn startet und forderte gleich einmal für seine Fraktion den Finanzminister ein. Nicht schlecht.

Für den Chefe vom Mann mit Bart und Brille ist diese Vorlage freilich keine Herausforderung. „Dummer Lehrbub“, wird er sich gedacht haben und holte sich gleich einmal den Mann ohne Bart und Brille, dafür aber mit ganz ganz blauen Augen, zum Plauscherl ins Büro.



Der rote Chefe glaubt hingegen immer noch an eine Regierung bis Weihnachen.

Neue sympathische Gesichter (3)

"What a difference a day makes... 24 little hours..." Na und ob uns das einen Satz wert ist, bester Hofrat, dass es neue sympathische Gesichter gibt die die großen Herausforderungen der Republik endlich entschlossen anpacken! Sogar zwei Sätze, noch den von Paul Simon: "Negotiations and love songs, are often mistaken, for one and the same."

Dopingskandal!

Dass unsere beiden staatstragenden Mittelparteien ihre glorreichen Verhandlungen in einem konstruktiven Klima des gegenseitigen Vertrauens wiederaufgenommen haben und in guter Zeit mit der Bildung einer stabilen, tragfähigen ... Bla,Bla, Bla, ... also dass diese beiden politischen Schießbudenfiguren wieder miteinander reden, scheint ja niemand hier einen läppischen Satz wert zu sein. Uns auch nicht.
Vielmehr wollen wir darauf hinweisen, dass es im heimischen Fußball einen neuen Dopingskandal gibt, dass es bei den österreichischen Langläufern in Turin einen Dopingskandal gab und dass es bei der letztjährigen Tour de France einen besonders bösen Dopingskandal gegeben hat: An einem Tag brach der US-Strampler Floyd Landis böse ein, am nächsten Tag radelte er alle in Grund und Boden. Wenig später kam man darauf, dass er schwer gedopt war.
Und was weiter, wird der scharfsinnige Leser jetzt fragen. Nun, die Parallelen liegen auf Hand: Niemand hätte gedacht, dass Alfred Gusenbauer die Wahl gewinnt - am Wahlabend hatte er die Nase samt schwitzender Oberlippe vorn. Wir wollen ja nix sagen, aber in ÖVP-Kreisen geht bereits das Gerücht. dass am Wahlabend gebrauchte Blutbeutel aus den Fenstern der Löwelstraße geworfen wurden ... Disqualifikation nicht ausgeschlossen ...

17.11.06

Schützt Salzburg vor dem Roten Wien!

In Salzburg musste eine Werbung für Wien vom Dom wieder abgenommen werden, auf Anordnung des Magistrats: Das Plakat hatte eine "zu kräftige" rote Farbe. Jawoll: Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt schon die Kirchen rot werden?

Neue sympathische Gesichter (2)

Weil wir gerade in der Abteilung "neue sympathische Gesichter" sind: Das wär doch was, die Ségolène Royal. Allein diese hinreißende Koketterie mit so einem Namen eine Sozi zu spielen, das würde doch jedes Kristallluder mitsamt ihrem Autohändlersohn an die Wand spielen. Man könnte ihr doch glatt eine führende Gastrolle als Marie Antoinette der heimischen Politik anbieten.

Neue sympathische Gesichter

Was sagte doch unser Herr Wirtschaftskammer- Präsident Christoph Leitl zu den so genannten Koalitionsverhandlungen? "Neue ambitionierte Ziele brauchen neue, sympathische Gesichter." Also da ist entweder den schwarzen Stylisten Schminke und Botox ausgegangen, oder der Partei die "neuen ambitionierten Ziele".

16.11.06

Tanz den Fiona

Munkel, munkel: KHG wird als Schüssels Erblastverwalter gehandelt. Alleine das Gerücht lässt tief in die Abgründe der ÖVP blicken. Das Ex-Haider-Burli als neuer Chef der Schwarzen und Pröll, van Staa, Schützenhofer, Pühringer & Co tanzen künftig den Fiona.

15.11.06

Weltuntergang

Wir haben ja Zeit. Bundespräsident Heinz Fischer hat seine Entscheidung über die weitere Vorgangsweise bei der von ihm in Auftrag gegebenen Mikado-Regierungsbildung auf nächste Woche verschoben. Exklusiv können Sie den Grund dafür - nein, nicht in "News" und schon gar nicht in "Österreich", sondern in, also schon in Österreich, aber eben hier im Politburo lesen. Nämlich: Nämlich hat Fischer gestern den slowenischen Staatspräsidenten, Bio-Guru und Aussteiger Janez Dronvsek empfangen. Nach der Unterredung gab Drnovsek dann beiläufig bekannt, dass mit dem Untergang der Welt in den nächsten zehn bis 20 Jahren zu rechnen ist. Naja, und wie der Fischer das gehört hat, da hat er den Bruno Aigner beiseite genommen und gesagt: Bruno! Nur noch zehn bis 20 Jahre, und dann ist alles vorbei. So bald schon! Bis dahin einigen sich der Gusenbauer und der Schüssel nie. Also können wir uns auch Zeit lassen. Gell, Bruno?

Sprich mit James

Zum Thema Afrika und den Sinn, respektive Unsinn von Entwicklungshilfe, ist an dieser Stelle ein Spiegel Interview (kostet 50 Cent) mit dem kenianischen Wirtschaftswissenschafter James Shikwati zu empfehlen, der den radikalen Stopp jeglicher Entwicklungshilfe fordert.

Hier ein Ausschnitt:

Wenn die Industrienationen den Afrikanern wirklich helfen wollen, sollten sie endlich diese furchtbare Hilfe streichen. Jenen Ländern, welche die meiste Entwicklungshilfe kassiert haben, geht es am schlechtesten. (...) Es werden riesige Bürokratien finanziert, Korruption und Selbstgefälligkeit gefördert, Afrikaner zu Bettlern erzogen und zur Unselbständigkeit. Zudem schwächt die Entwicklungshilfe überall die lokalen Märkte und den Unternehmergeist, den wir so dringend brauchen. (..) Ein kenianischer Bauer kann seine Hacke gleich aus der Hand legen, mit dem Uno-Welternährungsprogramm kann niemand mithalten. Und weil die Bauern unter diesem enormen Druck eingehen, hat Kenia auch keine Reserven, wenn nächstes Jahr tatsächlich eine Hungersnot entsteht - ein ganz simpler, aber folgenschwerer Kreislauf. (..) Was sollen diese Kleiderberge? Hier friert niemand, stattdessen werden unsere Schneider arbeitslos. Ihnen geht es wie den Bauern. So kostengünstig kann niemand aus der afrikanischen Billiglohnwelt sein, dass er mit den gespendeten Produkten mithalten könnte. 1997 waren in Nigeria 137.000 Arbeiter in der Textilindustrie tätig, im Jahr 2003 waren es noch 57 000. Und so sieht es überall aus, wo überschäumende Hilfsbereitschaft auf fragile afrikanische Märkte trifft.

Sprich mit Bob

Bob Geldorf im Burgtheater"Congratulations on not having a government." Bob Geldorf gratulierte der Mobilkom im Burgtheater zum 10-Jahres-Jubiläum und dem Volk zum Interregnum, ehe der Live-Aid-Gründer zu seinem eigentlichen Thema kam, Hilfe für Afrika. Die Österreicher seien ja für ihre persönliche Spendenbereitschaft bekannt, aber die offizielle Entwicklunghilfe? "0,2 Prozent vom BIP, das ist eine Schande für ein so reiches Land. Dabei hat Österreich unterschrieben, dass es bis 2015 0,7 Prozent Entwicklungshilfe geben will, und das erreicht man nur, wenn man 2010 schon mindestens bei 0,5 Prozent ist." Aber da war der gesichtsbadnehmende Politrupp von Gusenbauer, Josef Pröll, Hubsi Gorbach und Maria Rauch-Kallat schon wieder im Dunkeln des Burgtheaters verschwunden. Interessiert doch eh niemand bei der Regierungsbildung, oder?

Pendl II

„Leider über ihr berufliches Niveau niemals herausgewachsen“, sagt der Zahntechniker Strache zur Handarbeitslehrerin Gehrer, wegen dieser Nazi Doc Grabrede-Geschichte.

14.11.06

Blaue Pendlbewegung

Jetzt also haben die Schwarzen die "Tür zu FPÖ" angeblich endgültig zugeschlagen, und die blaue Pendelbewegung verdanken wir dem selbsternannten Hüter der Nazi-Totenruhe, dem Herrn Professor Gerhard Pendl, einem Proponenten des Herrn Mölzer im EU-Parlament. Liesl Gehrer hat ihn in einem letzten lichten Moment als Uni-Rat der Med-Uni nach seiner feurigen Rede am Grab des wackeren NS-Kämpfers Nowotny namens eines "Fähnleins in diesen deutschen Landen, die unsere unschuldigen Soldaten und ihren furchtbaren Tod nicht vergessen oder gar herabwürdigen" als Uni-Rat abberufen.

Natürlich hätte Frau Gehrer den lichten Moment schon früher haben können, schließlich kommt ja der Pendlsche Ausritt nicht aus heiterem Himmel. Aber immerhin, irgendwann geht halt auch das braunste Fass so über, dass es eine Schwarze nicht mehr ignorieren kann. Und der Ertrag könnte einen direkt milde gegenüber der Frau Gehrer stimmen: Denn Haazee will jetzt mit den Schwarzen nix mehr zu tun haben, was man umgekehrt nicht ausschließen konnte.

4er Koalition

Schüssel, Strache, Westenthaler und Haider ist auch noch mit von der Partie. Die 3er, respektive die 4er Koalition – da Liste Westenthaler BZÖ und Liste Haider BZÖ – kommt schön langsam in die Gänge. Das könnte noch was werden. Da braucht man sich nichts vormachen. Auf die Ministerkandidaten darf man sich jetzt schon freuen.

13.11.06

Echt Teuro!

Also unglaublich: Abgesehen davon dass wir immer mehr davon brauchen zerbröseln uns jetzt die Euros auch noch unter der Hand, und alles was die Behörden in Deutschland dazu sagen können ist: Schnell handeln, wennst einen Bröselschein hast, weil nur wenn noch mehr als die Hälfte davon da ist kriegst ihn ersetzt. Aber immerhin, das rheinländisch-pfälzische Landeskriminalamt hat Entwarnung für Kokser gegeben: Crystal Speed ist nicht für den Zerfall verantwortlich. Obwohl es wahrscheinlich auf ganz normalen Weg den Banknotenbestand seiner Besitzer ziemlich dezimiert.

Anfechten, anfechten!

Wir haben's ja schon ein paarmal gesagt, derStandard.at erinnert wieder daran: Es bleibt noch immer die Möglichkeit, die Wahl der Orangen anzufechten, die mit zwei unterschiedlichen Listen antraten aber dann in einem Topf ausgezählt wurden. Würde die Anfechtung durchgehen, wären die Orangen draußen und es gäbe rein rechnerisch auch eine rot-grüne Mehrheitsoption. Na, liebe Rot-Grünen, wär doch den Versuch wert statt einen Antrag auf teure Neuwahlen zu stellen.

Gefühlte Mehrheit (2)

Jetzt bleibt mir dieses ungute Gefühl: Solchene komische Nicht-Mehrheiten mit anschließenden Rosenkriegen werden wir noch auf Jahrzehnte haben. Was soll sich auch ändern? Rot und schwarz teilen sich den größeren Teil der Erbpacht, und dann gibts halt zwei bis fünf kleinere, und das ganze nimmt immer mehr italienische Aggregatszustände an.

Also sollte der gefühlten Mehrheit auch eine reale folgen -- entweder ein Mehrheitswahlrecht, wofür es ja auch verschiedene (minderheitenschonende) Vorschläge gibt, oder den Bundespräsidenten zum gewählten Regierungschef aufwerten, der sich dann mit dem Nationalrat zusammenraufen muss, oder irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall etwas, was diese unerträglichen Stellungskriege von Parteien, die grad mal ein paar Millimeter voneinander abweichen, minimiert.

Jetzt kommen die üblichen Gefühlseinwände, vor allem dass dann die Kleineren keine Chance mehr haben. Auf manche der Kleineren könnt ich verzichten; aber es stimmt: Irgendein Preis ist für mehr Klarheit zu zahlen. Und die Briten haben trotz Mehrheitswahlrecht Liberale, die sich je nach Zustand nicht so schlecht schlagen. Jedenfalls ist jetzt die Zeit, darüber zu reden.

Das Ultimatum

Wäre ein guter Titel für einen Grisham Thriller. Am Mittwoch läuft das Ultimatum also aus. Mittwoch ist allerdings ein blöder Tag, weil Heiliger Leopold. Da hackelt in der ÖVP niemand. Das werden sie der SPÖ wieder zum Vorwurf machen, dass sie just an einem Feiertag ………… die SPÖ wird sagen, war nicht so gemeint, und gibt noch eine Nachspielzeit……… und das wird sich dann bis Weihnachten hinziehen ……

12.11.06

Gefühlte Mehrheit

Das wird gefühlsmäßig nix mehr mit dieser Großen Koalition. Nicht nur die Gefühle aller Beteiligten sprechen dagegen, sondern auch das Fühlen der Österreicher. Sie fühlen nämlich deutliche Unterschiede zwischen dem strikten Verhältniswahlrecht der Verfassung und dem strikten Mehrheitswahlrecht ihres Gerechtigkeitsempfindens: Während das Verhältniswahlrecht sagt, dass jener Kanzler ist, der eine Mehrheit für sein Programm findet (daher die Wende 2000), sagt das gefühlte Mehrheitswahlrecht, dass jener Kanzler ist, der bei der Wahl Erster geworden ist (daher die Aufregung über die Wende 2000).
Bei der aktuellen Regierungsbildung prallen diese beiden Meinungen wieder mit voller Wucht aufeinander: Alfred Gusenbauer (Volkskanzler!) denkt wie die Bevölkerung, dass er kraft Gefühlsverfassung mit seinen zwei Mandaterln Überhang den unbestreitbaren Anspruch auf die Kanzlerschaft und die bedingungslose Unterordnung der ÖVP hat. Wolfgang Schüssel (schmallippig!) denkt wie immer gegen die Mehrheit der Bevölkerung und der Kronenzeitung, dass dem nicht so ist, sondern dass sich die SPÖ um seine Gunst bemühen muss.
Kurzer Rede langer Sinn: Das wird nix mehr mit dieser Großen Koalition. Rein gefühlsmäßig.

10.11.06

Allahu akbar

Frohe Kunde aus dem Morgenland. Die Saudis wollen uns beim Eurofighter aus der Patsche helfen. Die Wüstensöhne wissen was sich gehört. Das haben die Hüter des Islams hinlänglich bewiesen. Unseren niemals vergessenen und leider viel zu früh verstorbenen Präsidenten Thomas Klestil beschenkten sie großherzig mit edlen Kamelen und Pferden, die ihm uns seiner Gattin in den letzten Monaten seines Lebens noch viel Freude bereiteten. Jetzt nehmen sie uns die Flieger ab. Fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

Gods Own Country (2)

Weil wir schon bei Bewunderung für Klarheiten nach amerikanischen Wahlen sind noch ein paar Anleihen für den heimischen Gebrauch: Verteidigungsminister Günther Plattner tritt sofort zurück, schließlich hat er die Eurofighter gekauft, so wie Rummy in den Irakkrieg gezogen ist, dafür zieht die SP aus ihrem U-Ausschuss wieder aus und frisst die Krot. Und so wie George W. mit der linken Emanze Nancy Pelosi im Weißen Haus luncht geht Wolfgang Schüssel mit Barbara Prammer ins Kanzleramt Mittagessen und kauft sich einen Schottenrock, damit sie vor ihm flach liegt.

9.11.06

Gods Own Country

Bitte, wir Hofräte wir, wir sind ja keine Freunde Amerikas. Aber eines nötigt uns schon Respekt ab: Die gehen wählen, die Amis, und schon tritt ein Minister zurück. Noch am gleichen Tag! Wie machen die das bloß, die Amis?
Andererseits und überhaupt: Diese kulturlosen Amis brauchen eine Wahl, um ihren Präsidenten zu einer lahmen Ente zu machen. Bei uns ist er das kraft Verfassung! Ätsch.

8.11.06

Wie künftig geheizt werden soll

Na schau, dort wo man den Interims-Kanzler noch versteht, also in der Presse, verrät Schüssel wie das Land künftig geheizt wird, nachdem sich die Schwarzen nicht als Brikett im roten Ofen (© Wolfgang Schüssel) verheizen lassen wollen: Rechnerisch ist alles eine Option, also auch schwarz-blau-orange, aber natürlich hat er noch große Skepsis ob das geht und für das Land sinnvoll ist und blablabla. Und außerdem: Der Arme hat ja keinen Auftrag zur Regierungsbildung. Auf jeden Fall: Wenn der Gusi scheitert ist das doch kein Grund für Neuwahlen, weil dann gibts "noch andere Konstellationen". Etwa, um in Schüssels Diktion zu bleiben: Blau-orange im schwarzen Ofen solang zu verheizen, bis es endlich wieder eine ordentliche schwarze Mehrheit gibt. Wieso haben wir bei solchen Worten nur plötzlich ein Dejavus-Erlebnis?

Ofen aus

Diese Ofen-Vergleiche sind in der österreichischen Innenpolitik anscheinend ein Kalauer, der immer wieder gut kommt. Schüssel will „kein Brikett ohne Kopf und Glieder für den SPÖ-Ofen sein”. Der ehemalige FPÖ-Politiker Peter Müller: „Wir bauen schon wieder Öfen, aber nicht für Sie, Herr Wiesenthal - Sie haben in Jörgl seiner Pfeife Platz!"

Schwarzer Metaphernofen

Ach, auf welchem Planet der Finsternis der kleine Prinz seit jenem unheilvollen 1. Oktober leben muss. Erst fühlte sich die ÖVP mit Napalm in frühere Zeiten zurückgebombt, als sie schon unter der 30-Prozentmarke lag. Und jetzt noch das: "Die ÖVP ist kein Brikett (...), ohne Kopf und Glieder, für den SPÖ-Ofen", verkündet unser verbitterter Interims-Kanzler Wolfgang Schüssel im ORF-Report. Damit am Ende sozialistische Seife rauskommt? Offenbar kommt der Mann in die Jahre, wo er die geschmacklosen Metaphern nicht mehr halten kann. Wenn die Schwarzen so weitertun wirds nicht mal mehr für eine Pelletheizung reichen. Höchstens noch zum verbalen Gleichklang mit dem Neo-FPler Zanger, der sich gerade erst angelobt schon munter als Fan der "guten Seiten des NS-Regimes" outete, "nur die hören wir alle nicht".

7.11.06

Daham beim Islam


Ein bisschen Werbung darf sein. Das neue Datum.

Neuer Ausschuss

Ich plädiere für einen Untersuchungsausschuss zum Thema „Verweigerung von Koalitionsgesprächen”. Auf einen Ausschuss mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an.

Irakische Wahlempfehlung für George W.


Grad noch rechtzeitig schickt das irakische Tribunal seine Wahlempfehlung für George W. und verurteilt Saddam Hussein zum Tod durch den Strangen. Und damit sich in den USA auch alle wirklich auskennen hat der New Yorker Boulevard mit ein bissl Fotomontage gleich nachgeholfen und geht bei der Exekution zur Hand...

6.11.06

Lemminge

Man kann von Wolfgang Schüssel halten was man will, die Nation hält er seit sechs Jahren mit seinen Taschenspielertricks gehörig auf Trab. Höhepunkt ist nun die „beleidigte Leberwurst“ Nummer. Das hat schon was. Vor allem die Konsequenz, mit der er die Geschichte durchzieht, ist nicht von schlechten Eltern. Erstaunlich ist allerdings, dass alle in der ÖVP brav mit tun. Wie die Lemminge hecheln sie dem Chefe Richtung Abgrund hinter her. Wie das wohl enden wird.

5.11.06

Pause

Karl Heinz Grasser weilt seit ein paar Tagen auf den Malediven. Herbstferien. Gut in Wien ist nicht viel zu tun. Im Ministerium ist es fad wie nie. Den Finz ärgern war auch schon lustiger. Und Schüssel, Molterer und Co sind seit Wochen dermaßen mies drauf, des halt niemand aus. Also was hält dem Karli noch in Wien. Verständlich dieser Kurzurlaub.

High Noon

heute punkt 12.00 uhr. wolfgang schüssel gibt eine pressekonferenz. tag der abrechnung? tag der versöhnung? in zwei stunden wird man gescheiter sein.

3.11.06

Ganz geheim

Gusenbauer und Schüssel haben sich zu einem Geheimtreffen in Fischers Wohnung, Josefstädterstrasse, 1080 Wien getroffen. Ganz so geheim war die Sache allerdings nicht. Irgendwo hinter der Bücherwand, in den Grünkulturen oder unter dem Sofa, kauerte auch ein Österreich-Reporter und schrieb fleißig mit: „Fischer servierte Kaffee, war jovial, betonte, wie sehr die Österreicher eine Zusammenarbeit wünschen, dass man „klimatische Probleme überwinden müsse“ - und tadelte in diesem Zusammenhang sanft die Vorgangsweise der SPÖ bei den Untersuchungsausschüssen.”

Hut ab. Toller Scoop Herr Fellner. Ihre Österreich Reporter sind wilde Hunde, die sind an jeder Story hautnah dran.

2.11.06

Spaß mit Halloween

Am 1. Oktober waren die Wahlen und schon am 1. November haben, wie wie heute erfahren durften, die spitzen Spitzen von SPÖ und ÖVP erstmals persönlich miteinander gesprochen. Na, wenn das keine Dynamik ist. Und diese Symbolik! Unsere allerhöchsten Kürbisköpfe trafen an jenem Tag zusammen, an dem die Toten auferstehen. Vivat, Große Koalition!

1.11.06

Freiheitliche Freiheit

Was bei der spannenden konstituierenden Sitzung des Nationalrats am Montag etwas untergegangen ist: Auch im neu gewählten Parlament ist und bleibt der einzige Ort der Freiheit dass Häusel. Als Rot-Grün-Blau, diese überhaupt nicht existierende Dreierkoalition, gegen Abend ihre Anträge betreffend Eurofighter-Beschaffungsstopp und Eurofighter-Untersuchungsausschuss beschloss, musste der neu gewählte FPÖ-Abgeordnete Peter Fichtenbauer unmittelbar vor der Abstimmung leider gerade ganz dringend aufs Klo und konnte nicht gegen den bösen Eurofighter mitstimmen. Fichtenbauer (bekannt als blauer Wrabetz-Wähler im ORF-Stiftungsrat) ist übrigens Brigadier der Reserve, also einer der höchsten Milizoffiziere des Bundesheeres. Aber aufs Häusel kann man ja trotzdem müssen.

Napalm-Wahlkämpfe anderswo

Reisen bildet bekanntlich – In unserer heutigen Lektion: Wofür anderswo, wie z.B. in den USA, Entschuldigungen gefordert werden: Senator John Kerry, der Ex-Veteran als Ketchupmann, sagte anderntags: Entweder du lernst was g'scheits und machst eine gute Ausbildung, oder du sitzt im Irak fest. Na Bumsti, das sitzt fest, obwohl Kerry heuer für gar nix kandidiert, und schon verlangt George W. eine Entschuldigung, weil unsere Boys im Irak, die sind plenty smart. Unser Favorit für späteren Export in die heimischen Neuwahlen: Der nichtsnutzige Abgeordnete Jim Davidson hat am öftesten bei Kongresssitzungen gefehlt. Da könnte man doch die Nationalrats-Wortmeldelisten noch gut verwerten, falls wir demnächst wieder die Schmutzkübeln aus dem Requisitendepot holen müssen.

Ein Traum in Braun

Stichwort Barbara Rosenkranz. Ein Traum in Braun. (gar nicht so unlustig dieser Reim). Ihr Auftritt bei der ersten Nationalratssitzung im zeitlosem Eva Braun Look, sprich im reschen Dirndl mit aufgesteckter Kornblume und gebundenem Haarkranz das hatte schon was. Da fühlte man sich auf den Obersalzberg zurück versetzt. Auch ihre Sprachduktus stimmt - das rollende R – das man von Filmen aus den 40er Jahren kennt – hat sie super drauf. Und inhaltlich gibt es sowieso nichts zu deuteln.

Altwahlen

Das Gejeiere wegen der möglicherweise drohenden Neuwahlen nervt. Was ist so schlimm daran? Hieramts zum Beispiel denkt man wohlwollend an die soeben stattgehabten Altwahlen am 1. Oktober zurück: Nach einem gepflegten Frühstück schritt man zur Urne, grüßte artig die Nachbarschaft, zeigte den netten Damen von der Wahlkommission seinen Dienstausweis als Steuerzahler und machte schließlich zwei Striche auf ein Blatt Papier - einen von links oben nach rechts unten und einen von rechts oben nach links unten. Das bringen wir an einem schönen Sonntag Mitte Jänner ung´schauter wieder zusammen. Haben die sympathische Nachbarin seit dem 1. Oktober eh nimmer gesehen ...