4.1.07

Flieger outsourcen

Also, Herr Gusenbauer, jetzt ist Phantasie gefragt. Dass Sie den Kanzler für eine bürgerliche Regierung abgeben ist wohl schon hinreichend festgestellt, jetzt wär doch diese Eurofighter-Geschichte, bei der Sie nicht mehr weiterkommen, doch noch ein neoliberales Überholmanöver in letzter Minute wert, sozusagen den Verhandlungsnachbrenner zünden. Unser Vorschlag: Ausgliedern, Outsourcen, das hat sich doch von den Bundesgebäuden bis zur Betreuung in Flüchtlingslagern bestens bewährt.

Erste Variante: Statt von den Schweizern Flieger zu mieten, mieten wir gleich auch das Personal dazu, die sorgen für die Luftraumüberwachung (wunderbares Bürokratenwort übrigens, wir erinnern uns an Kreiskys Luftraumüberwachungsgeräte alias Draken, gleich gefolgt von den Kettenfahrzeugenexporten). Das sollte auch den Eidgenossen gefallen, quasi als Habsburgerwiedergänger des 21. Jahrhunderts wenigstens zur Luft über Österreich herrschen. Und dann natürlich praktisch bei so einem Überschallflugzeug: Weil wenn du in der Schweiz links beim Genfersee andüst kommst du wahrscheinlich nicht mal über die Schallmauer weil du dich rechts beim Bodensee wieder einbremst, künftig ging's dann noch bis zum Neusiedlersee weiter.

Zweite Variante: Eine NGO mit der Luftraumüberwachung beauftragen, z.B. die "European Air Care" (EAC), eine Schwesterorganisation der zu Lande bestens eingeführten European Home Care. Denen überträgt man die jetzt ohnedies schon angeschafften und allenfalls nur mit Verlusten noch loszuwerdenden Eurofighter, damit ist auch die Zwei-Milliarden-Aufwendung entemotionalisiert weil sie künftig als NGO-Subvention läuft und neuen Großmut der Großkoalitionäre demonstrieren würde. Dafür muss man nicht alle Betriebskosten schlucken, wie das so ist wenn eine NGO machen lasst was man eigentlich selbst machen sollte. Andere Finanzierungsquellen: Spendenaktion "Luftraumüberwachung ohne Grenzen" mit dem Slogan "Fliegt da jemand?" Oder EAC bietet befreundeten Neutralen (Schweiz, Schweden, Irland) gegen Unkostenbeiträge an, gelegentlich auch in ihren Lufträumen Nachschau zu halten. Damit das gut koordiniert wird unser Vorschlag: Ernsti Strasser, bei NGOs bestens eingeführt und jetzt passenderweise Risikokapitalgeber, wird zuerst Proponent, dann Präsident von EAC.

Dritte Variante, an der auch die Grünen gefallen finden könnten: Da wir ohnedies nur noch von befreundeten Nato-Staaten umgeben sind (© van der Bellen, schon vergessen?) bitten wir diese, freundschaftlicherweise auch gleich unseren Luftraum zu überwachen. Dazu könnten sie ein paar Eurofighter von der Republik zum Schnäppchenpreis erwerben, quasi Jahresflieger zu Vorzugskonditionen. Immer noch billiger als die Ausstiegspönale, und wir bleiben schön neutral, weil man doch noch von Freunden einen Freundschaftsdienst erbitten kann, oder?

Jedenfalls: Daran soll doch einen Sushi-Koalition nicht scheitern.