18.9.08

Bringschuld

Es war einmal ein Fürst. Dieser war groß und mächtig. Den Menschen im Fürstentum ging es gut, nur wenige hatten zu klagen. Sie liebten ihren Herrscher. Der Fürst umgab sich gerne mit ausgewählten Hofberichterstattern, die mit Freude Tag ein Tag aus jeden Wortfetzen des Fürsten in Funk und Fernsehen bejubelten. Die schreibende Zunft liebte der Fürst hingegen weniger. In den Jahren seiner Regentschaft wurde er immer argwöhnischer. Er mochte sie nicht. Ein neuer, frischer Schreiberling wusste nichts davon. Frech versuchte er dem Fürsten ein paar belangslose Worte zu entlocken. Der Fürst blickte in abfällig an, baute sich vor ihm auf, schlug ihm mit dem Handrücken auf den Brustkorb und schmetterte: „So geht des net, so geht des sicher net – bevor I mit ihna und ihre Zeidung red haben sie vorher a Bringschuld. “